WikiDer > David Bloor

David Bloor
David Bloor
Poste hier dein selbstgemachtes Foto
Allgemeine Information
GeborenDerby, Vereinigtes Königreich, 1942
StaatsangehörigkeitFlagge des Vereinigten Königreichs Vereinigtes Königreich
BerufPhilosoph, Psychologe, Soziologe
Bekannt ausStarkes Programm in Wissenssoziologie
Portal  Portalsymbol  Menschen & Gesellschaft

David Bloor (Derby, 1942) ist ein britischSoziologe, die sich hauptsächlich auf die Wissenssoziologie und Wissenschaftssoziologie.

Werdegang

Bloor ist verbunden mit dem Universität von Edinburgh als ehemaliger Leiter der Abteilung für Wissenschaftsstudien. Internationalen Ruhm erlangte er durch die Entwicklung des „starken Programms“ (starkes Programm) innerhalb der Wissenssoziologie, die besagt, dass Wissen auch inhaltlich soziologisch untersucht werden kann. Er arbeitet dies insbesondere in Wissen und soziale Bildsprache (1976). In diesem Sinne wird er zusammen mit zum Beispiel Barry Barnes, auch unter der 'Edinburgh School' platziert. In seinem Denken ist er auch stark von der Arbeit von Karl Mannheim und Ludwig Wittgenstein.

Wissenssoziologie

Inspiriert von der Arbeit von u.a. Thomas Kuhn und Barry Barnes argumentiert Bloor, dass in der Wissensforschung oft eine Asymmetrie zwischen wahrem und falschem Wissen angenommen wird. Während die Wahrheit und Rationalität wahren Wissens oft als Erklärung für die Verbreitung dieser wahren Überzeugungen dienen kann, wird falsches Wissen oft aus sozialen, kulturellen oder ideologischen Vorurteilen erklärt. Wahres Wissen ist somit sein eigener Erklärungsgrund, während falsches Wissen durch eine Reihe von Störungen wie Machtmissbrauch oder ideologische Indoktrination erklärt werden muss.

Dafür gibt es laut Bloor jedoch keinen Grund a priori asymmetrische Analysen und sowohl wahre als auch falsche Überzeugungen müssen symmetrisch untersucht werden. Beide Pole sind nicht von sozialen oder kulturellen Einflüssen getrennt, sondern setzen diese voraus. Die Wahrheit einer Theorie kann nicht direkt enthüllt werden Logik oder Sinneserlebnis erklärt, weil diese selbst auch in falschen Theorien eine Rolle spielen und auch kulturell gefärbt sind. Wahre Überzeugungen müssen daher auch durch einen Blick auf die breitere Gesellschaft erklärt werden, in der diese wahre Theorie entstanden ist, ohne dass eine solche Erklärung den Wahrheitswert dieser Theorie schmälert. In diesem Sinne gibt es eine Form von Relativismus in Bloors Werk. Dies wendet Bloor in seiner Arbeit insbesondere auch auf die Mathematik und Logik. Er versucht zu zeigen, dass die Akzeptanz bestimmter mathematischer Prinzipien oder logischer Gesetze ebenso gesellschaftlich bedingt ist und sich daher auch zwischen Kulturen und Zeiträumen unterscheiden kann.

Die Innovationen in der Wissenssoziologie als Ergebnis dieser Arbeit von Bloor, zusammen mit anderen Autoren wie Barnes, waren sehr einflussreich. So sind beispielsweise Wissenssoziologie und Wissenschaftssoziologie heute nicht mehr strikt als Disziplinen getrennt, sondern bilden zusammen die Wissenssoziologie (Wissenschaftssoziologie, SSK). Diese Innovation war auch für die aufstrebende Disziplin „Wissenschaftsforschung“ (Wissenschafts- und Technologiestudien, STS). Die Edinburgh School hat daher großen Einfluss auf die Arbeit von Autoren wie Bruno Latour. Bloor selbst ist jedoch ein großer Kritiker von Latour und ist mit seiner Radikalisierung seines eigenen Projekts nicht einverstanden.

Literaturverzeichnis

Bücher

  • Wissen und soziale Bilder (Routledge, 1976; 2. Auflage Chicago University Press, 1991)
  • Wittgenstein: Eine Sozialtheorie des Wissens (Macmillan und Columbia, 1983)
  • Wissenschaftliches Wissen: Eine soziologische Analyse mit Barry Barnes & John Henry (Athlone und Chicago University Press, 1996)
  • Wittgenstein: Regeln und Institutionen (Routledge, 1997).
  • Das Rätsel des Tragflügels: Rivalisierende Theorien in der Aerodynamik, 1909-1930 (University of Chicago Press, 2011)

Artikel

  • Wittgenstein und Mannheim zur Soziologie der Mathematik, in Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftsphilosophie Teil A 4(2) p. 173-191 (1973)
  • Die Stärken des starken Programms, in Philosophie der Sozialwissenschaften 11 (1981)
  • Durkheim und Mauss Revisited: Klassifikation und Wissenssoziologie, in Studium der Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftsphilosophie 13(4) p. 267-297 (1982)
  • Relativismus, Rationalismus und Wissenssoziologie mit Barry Barnes, in Martin Hollis & Steven Lukes (Hrsg.) Rationalität und Relativismus (Blackwell, 1982)
  • Idealismus und Wissenssoziologie, in Sozialwissenschaftliche Studien 26(4) p. 839-856 (1996)
  • Anti-Latour, in Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftsphilosophie 30(1) p. 81-112 (1999)
  • Wissenschaftssoziologie, in I. Niiniluoto ua (Hrsg.) Handbuch der Erkenntnistheorie (Dordrecht: Kluwer), S. 919-962 (2004)
  • Relativismus und Wissenssoziologie, in Steven Hales (Hrsg.) Ein Begleiter zum Relativismus (2011)

Externer Link