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EUREGIO ist eine niederländisch-deutsche Partnerschaft, der 129 Städte, Gemeinden, Kreise und Wasserverbände angeschlossen sind. Auf niederländischer Seite umfasst das Gebiet die Regionen Twente und hintere Ecke sowie Teile des NordostensOverijssel und südöstlichDrenthe, auf deutscher Seite die Münsterland, der Landkreis Grafschaft Bentheim, das Stadt und der Landkreis Osnabrück sowie Teile des südlichen Emsland. 1958 wurde EUREGIO als erste Europa-Region gegründet und feiert 2018 ihr 60-jähriges Bestehen. Die EUREGIO fördert die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Bürgern, Unternehmern und Organisationen. Auf einer Fläche von 13.000 km² leben in der EUREGIO ca. 3,4 Millionen Menschen. Etwa zwei Drittel der Einwohner und des Gebiets befinden sich in Deutschland und ein Drittel in den Niederlanden. Das EUREGIO-Sekretariat befindet sich in Gronau, direkt am Grenzübergang mit Glaner-Brücke (Enschede).
Geschichte
Ende der 1950er Jahre begannen Städte, Gemeinden und Bundesländer aus dem Münsterland, dem südwestlichen Niedersachsen und den östlichen Niederlanden, sich für eine organisierte grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu engagieren. Dies führte 1958 zur Gründung der EUREGIO, die damit die erste Europa-Region bildet. Vor allem die Notwendigkeit einer grenzüberschreitenden Raumentwicklung erforderte damals eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden konnten die Grenzregionen aufgrund ihrer Randlage nicht in gleichem Maße von den Entwicklungen im Rest des Landes profitieren. Die Grenzgemeinden stärkten ihre Position, indem sie gemeinsam aktiv wurden.
Im EUREGIO-Gebiet sind daraufhin verschiedene Interessengruppen in Gang gekommen. 1954 gründeten Vertreter von Kommunen und Unternehmern auf deutscher Seite die Interessengemeinschaft Rhein-Ems (später Kommunalgemeinschaft Weser-Ems). In den Niederlanden hat die „Twente-Gelderland Interest Community“ (jetzt Region Twente). Ein Jahr später, 1961, wurde die „East Gelderland Partnership“ (jetzt Region Achterhoek) etabliert. Diese drei Organisationen arbeiteten zunächst informell zusammen und konzentrierten sich auf leichtere und politisch unterstützte Themen wie die Begegnung der Bürger durch Kunst-, Kultur- und Sportveranstaltungen sowie die Entwicklung von Radwegen. Seit Mitte der 1960er Jahre treffen sich Vertreter dieser Gremien regelmäßig als EUREGIO-Arbeitsgruppen. Gemeinsam arbeiteten sie an einem Übergang von projektbezogenen Kontakten hin zu programmatischen Kooperationen, um die lokale Wirtschaft und Infrastruktur zu stärken und Probleme für Pendler zu lösen.
1971 wurde eine soziokulturelle Studiengruppe gegründet. Einige Jahre später wurde dieser Arbeitskreis nach seinem ersten Vorsitzenden benannt Alfred Mozer (1905-1979). Mozer war ein leidenschaftlicher Verfechter der europäischen Idee. Er war überzeugt, dass man sich erst kennenlernen und vertrauen muss, um zusammenarbeiten zu können. Deshalb unterstützte er grenzüberschreitende Bürgerversammlungen. 1978 wurde die Zusammenarbeit mit dem EUREGIO-Rat institutionalisiert. Prinz Claus hatte seine Gründung 1974 vorgeschlagen. Nach einem Treffen der Stiftung für regionale Interessen von East Gelderland sagte er:
„Versuchen Sie, einen EUREGIO-Rat zu entwickeln, der die Interessen dieser grenzüberschreitenden Region, aber auch die Bereitschaft zu gemeinsamen Anstrengungen im eigenen Kreis erfasst.[1]"
Der EUREGIO-Rat wurde das erste regionale grenzüberschreitende Parlament in Europa und fortan das höchste Gremium der EUREGIO.
1985 wurden die beiderseits der Grenze bestehenden EURGIO-Sekretariate zusammengelegt. Königin Beatrix und Prinz Claus das gemeinsame Büro am Grenzübergang Gronau/Glanerbrug eröffnet. Zwei Jahre später, 1987, wurde das erste grenzüberschreitende Aktionsprogramm vorgelegt. Es enthielt Strategien für die nächsten 20 Jahre in wissenschaftlichen, soziokulturellen, technologischen und infrastrukturellen Bereichen. Neben nationalen Geldgebern Europäische Gemeinschaft an der Finanzierung beteiligt. Zur Erarbeitung der Strategie wurden Arbeitsgruppen zu den Themen Wirtschaft, Technologie, Soziales, Bildung und Ausbildung, Tourismus, Kultur, Landwirtschaft, Umwelt, Verkehr und tägliche Grenzprobleme/Rettung gebildet.
1992 wurde das Büro um das EUREGIO-Haus erweitert. Die Zunahme der Zahl der Treffen und Versammlungen machte es notwendig, ein Begegnungszentrum zu finden, in dem sie regelmäßig stattfinden konnten. 1994 wurde das Konferenzzentrum Terhaar sive Droste von Prins . renoviert Willem Alexander geöffnet.
Wenn der Europäische Union Das grenzübergreifende Programm EUREGIO wurde Anfang der 90er Jahre mit der Gemeinschaftsinitiative INTERREG ins Leben gerufen und war eines der ersten, das genehmigt wurde. Mit Ressourcen aus dem Europäischer Fonds für regionale Entwicklung und von nationalen und regionalen Geldgebern fördert INTERREG A seither grenzüberschreitende Projekte in verschiedenen Bereichen.
Im Jahr 2014 wurden in Anlehnung an die EUREGIO 2020 Strategie die drei Ausschüsse „Mozer – Soziale Entwicklung“, „Wirtschaft und Arbeitsmarkt“ und „Nachhaltige Raumentwicklung“ eingerichtet.
Seit 2016 ist die EUREGIO, die bis dahin ein eingetragener Verein war, eine niederländisch-deutsche Körperschaft des öffentlichen Rechts.
Aufgaben und Aktivitäten
Kernaufgaben:
- Unterstützung und Verbesserung der Zusammenarbeit in soziokulturellen und sozioökonomischen Bereichen
- Wirtschaftsförderung und grenzüberschreitende Nutzung wirtschaftlicher Chancen im Grenzgebiet
- Grenzüberschreitende lokale Zusammenarbeit
- Förderung des gegenseitigen Verständnisses und Vertrauens über Grenzen hinweg
- Grenzüberschreitende Mobilität
- Professionelle Beratung von Grenzgängern zu den Themen Arbeiten, Wirtschaften und Leben im Nachbarland
- Initiierung, Organisation und Durchführung gemeinsamer Projekte
- Lobbyarbeit für das Grenzgebiet mit Staaten, Provinzen und nationalen Regierungen in beiden Ländern
- Regionalmanagement des EU-Förderprogramms INTERREG
Ziel der EUREGIO ist es, Grenzhindernisse zu beseitigen, um ein gemeinsames Einzugsgebiet zu schaffen. Im wirtschaftlichen Bereich will sie die Wettbewerbsfähigkeit der Region stärken. Es unterstützt kleine und mittlere Unternehmen, fördert die Zusammenarbeit mit Unternehmern und wissenschaftlichen Einrichtungen im Nachbarland. Auf diese Weise können Unternehmen neue Märkte erschließen und ihre Marktposition stärken.
Um die Region noch besser zu entwickeln, setzt sich die EUREGIO dafür ein, den Zugang zur Infrastruktur zu verbessern. Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für den EUREGIO-Raum, denn neben Großstädten wie Münster, Osnabrück, Enschede und Doetinchem zieht auch der ländliche Raum der Achterhoek viele Besucher an. Gemeinsame Marketingstrategien und die strukturelle Zusammenarbeit regionaler Tourismusverbände mit kleinen und mittleren Organisationen sollen daher den grenzüberschreitenden Tourismus fördern.
Auf soziokultureller Ebene fördert die EUREGIO Kontakte zwischen deutschen und niederländischen Bürgern, um sie mit der Kultur und Lebensweise des Nachbarlandes besser bekannt zu machen. Beispiele sind der Austausch zwischen Kommunen und die Organisation von Veranstaltungen für Schulen und Vereine.
Die EUREGIO versteht sich als Plattform für die gemeinsame Zusammenarbeit. Es fördert den Austausch zwischen Städten und Gemeinden in Bereichen wie dem Gesundheitswesen, um von den Nachbarn zu lernen und die Systeme so weit wie möglich zu harmonisieren oder austauschbar zu machen.
Ziele und Erfolge
Das allgemeine Ziel der EUREGIO ist es, in einer starken Region ein einheitliches Einzugsgebiet zu schaffen, in dem die Grenze für die Menschen kein Hindernis mehr darstellt. Um diese Vision zu verwirklichen, konzentriert sich die EUREGIO auf folgende Themen: soziale Entwicklung, Wirtschaft und Arbeitsmarkt sowie nachhaltige Raumentwicklung.
Ein wichtiges Lobbying-Thema für die EUREGIO ist ein flexiblerer grenzüberschreitender Arbeitsmarkt. EUREGIO war die erste grenzüberschreitende Organisation, die Grenzgänger berät (siehe Projekt UNLOCK).
Um die Zusammenarbeit zu stärken, fördert die EUREGIO Mini- und Kleinprojekte unter anderem durch die Bereitstellung von INTERREG-Mitteln.
Weitere aktuelle Projekte finden Sie unter „Ausgewählte aktuelle Projekte“.
Das EUREGIO-Gebiet
In Deutschland
- Im Staat Niedersachsen sind Teil der EUREGIO:
- Stadt Osnabrück
- Kreis Grafschaft Bentheim
- Landkreis Osnabrück
- Landbezirk Emsland:
- Gemeinde Emsbüren
- Gemeinde Spelle
- Gemeinde Salzbergen
- Im Staat Nordrhein-Westfalen sind Teil der EUREGIO:
- Stadt Münster
- alle Landkreise im Münsterland:
In den Niederlanden
In den Niederlanden gehören zur EUREGIO:
- In der Provinz Overijssel
- Region Twente
- Gemeinde Hardenberg
- Gemeinde ommen
- Region Twente
- In der Provinz Gelderland
- Region hintere Ecke
Präsidenten und Direktoren-Vorstände
Übersicht aller Vorsitzenden:
- Hans Paetschki
- Wim Schelberg
- Rolf Cyprian
- Frans Willeme
- Günter Alsmeier
- Rob Welten
Übersicht aller Geschäftsführer:
- Wim van Geffen
- Jens Gabbe
- Peter Peter
- Harald Krebs
- Elisabeth Schwenzow
- Christoph Almering
Ausgewählte aktuelle Projekte
Im Rahmen des INTERREG-Programms fördert die EUREGIO Projekte in den Bereichen Wirtschaft, Technologie, Innovation, nachhaltige Regionalentwicklung sowie Integration und Gesellschaft. Hier einige Projektbeispiele:
- Das Projekt BIP EUREGIO will Angebot und Nachfrage auf dem grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt zusammenbringen. Unterschiede in Sprache, Kultur, Vermittlungssystemen und Gesetzgebung führen oft dazu, dass Mitarbeiter von der anderen Seite der Grenze rekrutiert werden oder im Nachbarland arbeiten. Mögliche Barrieren sollen mit diesem Projekt abgebaut werden. Beim GrensInfoPunt EUREGIO erhalten Einwohnerinnen und Einwohner aus dem EUREGIO-Gebiet Informationen zum Arbeiten, Studieren und Leben im Nachbarland. Neben der individuellen Beratung finden auch Steuer- und Rentenberatungen in Zusammenarbeit mit Finanzämtern und Rentenversicherungen statt. Im EUREGIO-Büro in Glanerbrug sowie an verschiedenen anderen Orten im EUREGIO-Gebiet finden regelmäßig Sprechstunden statt.
- Das Projekt Grenzenlose Tourismusinnovation (GTI) unterstützt kleine und mittlere Tourismusunternehmen im Projektgebiet beim Markteintritt im Nachbarland. Im Vordergrund stehen die Steigerung der Gästezahl und das Erreichen von Zielgruppen im Nachbarland. Das GTI-Projekt unterstützt die Tourismusorganisationen mit Wissen über den Auf- und Ausbau des Auslandsmarktes in Deutschland und den Niederlanden, um neue und qualitativ bessere touristische Angebote für ihre ausländischen Gäste zu entwickeln.
- Beim Projekt Tandem (Kunstverband/Kunstverbindung) Deutsche und niederländische Künstler der EUREGIO setzen in gemeinsamen Tandems Kunst- und Kulturprojekte unterschiedlicher Art zu einem bestimmten Jahresthema um. Auf diese Weise wird die Kunst- und Kultur(erbe-)landschaft angeregt und verknüpft.
Literatur
- V. Müller: 25 Jahre EUREGIO-Rat. Rückblick auf die Arbeit eines politischen Gremiums im „kleinen Europa“. Gronau/Enschede 2003.
- M. Kohle: Grenzüberschreitende Zusammenarbeit im deutsch-niederländischen Gebiet EUREGIO. In: Neues Archiv für Niedersachsen. Heft 1/2000, Hannover, S. 79–101.
- K. Going: EUREGIO: Das alltägliche Europa in der Praxis. EUREGIO: Das Europa in der täglichen Praxis. Gronau/Enschede 1995.
- J. Grabbe: EUREGIO – Begriff und Auftrag, Organisation und Leistung. In: Geographische Kommission für Westfalen (Hrsg.). Westmünsterland – Ostniederlande. Entwicklung und Stellung eines Grenzraumes. Vorträge auf dem Jahrestag der Geografien Kommission für Westfalen 1983. Spieker (30), Münster 1984, S. 131. 49–64.
- Fabrice Gireaud: Swiss Annexion und Euregio – Das deutsch-niederländische Verhältnis nach dem Zweiten Weltkrieg mit bestonderem Blick auf die Grafschaft Bentheim. In: Emsländische Geschichte Bd. 18, Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte (Hrsg.), Haselünne 2011, p. 348–448.
Externe Links
Verweise
- ↑Müller, V. (2003): 25 Jahre Euregio-Rat. Rückblick auf die Arbeit eines politischen Gremiums im 'kleinen Europa'. Gronau/Enschede, S. 11.