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Gerhard Rühm
Gerhard Rühm im Jahr 2015

Gerhard Ruhm (Wien, 12. Februar1930) ist ein Schriftsteller, Komponist und bildender Künstler, der Teil des Wiener Gruppe. Seine radikal innovative Arbeit ist weitgehend mittelständisch. Sie operiert im Grenzbereich von Literatur, bildender Kunst und Musik.

Rühm studierte Klavier und Komposition in Wien. Er tauchte ein in die Dodekaphonie von Josef Matthias Hauer und in die orientalische Musik. Da er in Österreich zu wenig Veröffentlichungsmöglichkeiten für seine Arbeit fand, zog er 1964 nach Berlin, wo er Kontakt zu Verlagen knüpfte und seine Hörspiele im Rundfunk ausstrahlen wollte. Von 1972 bis 1995 lehrte er freie Grafik an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg.

In der Wiener Gruppe war er der radikalste Experimentator, der Literatur auf die Bewusstseinsebene moderner bildender Kunst und Musik bringen wollte. Außer Konrad Bayer und Oswald Wiener führten Sprachkritik und Skepsis nicht dazu, die Kommunikation abzulehnen. Aus fast sinnlicher Freude an der Sprache begann er diese auf Kompositionen mit getrennten Lauten (Hörgedichten) und Wörtern (konkrete Poesie), um mit einem Minimum an Mitteln unausgesprochene Erfahrungen auszudrücken. Zusammen mit H. C. Artmann und Friedrich Achleitner entdeckte er die Nützlichkeit des Wiener Dialekts für die moderne Poesie: Der Dialekt kann Gefühle unzensierter ausdrücken als dies in der Standardsprache der Fall ist (Sammlung hosn rosn baa, 1959).

Ab den 1960er Jahren konzentrierte sich Rühm mehr und mehr auf visuelle Poesie, Bildmontagen, visuelle Musik, Drehbuchzeichnungen und Hörstücke. Einige Arbeiten von Rühm weisen Ähnlichkeiten mit den Konzeptkunst (einschließlich seiner ultrakurzen Stücke). Mit Rhythmus r (1968) hat er ein umfassendes Buch verfasst, in dem sogar die taktile Erfahrung des Lesers berücksichtigt wird (der „grobe“ taktile Eindruck durch ein Blatt Schleifpapier). Im MANN und FRAU (1972) entwickelte er die Prinzipien der Konkreten Poesie zu einem „konkreten Roman“. Charakteristisch für seine Arbeit ist die Vorliebe für Universalien – das Hervorrufen von Erfahrungen und Handlungen, die für alle Menschen essentiell sind – und die fast zen-buddhistische Aufmerksamkeit für die bewusste Wahrnehmung des Hier und Jetzt. Auch in seinen Hörstücken und Sprechduetten der letzten Jahrzehnte ist ein starkes ökologisches und sozialkritisches Anliegen spürbar.

Rühms Gesamtwerk erscheint seit 2005, geplant in 10 Bänden. Nur wenige seiner kurzen Texte wurden ins Niederländische übersetzt, darunter in Gitter. erschien 2006 ein und ein anderes. eine Auswahl an Gedichten und kurzen Theaterstücken (Sprüche), 2020 der Prosatext das Fenster (Flügel). Sein musikalisches Werk (vor allem Chansons, Melodramen, Stücke für Klavier) ist beim Österreichischen Rundfunk auf CDs erschienen.

1991 wurde er der Großer Österreichischer Staatspreis ausgezeichnet.

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