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Rudolf Nelson
Rudolf Nelson im Jahr 1952

Rudolf Nelson (Pseudonym von Rudolf Lewysohn) (Berlin, 8. April1878 - Dort, 5. Februar1960) war ein Deutscher Pianist, Komponist und Komiker jüdischer Abstammung mit eigenem Theater und eigener Kompanie.

Biografie

Werdegang

Nelson arbeitete als Bürokaufmann und studierte auch Musik, aber er gab beides auf, um sein Leben der Arbeit zu widmen Kabarett. 1904 eröffnete er zusammen mit Paul Schneider-Duncker das Werk „Roland von Berlin“ in der Potsdammerstraat. Nach der Pause mit seiner Gefährtin startete er 1907 in der Straße Unter den Linden die Gelegenheit „Chat Noir“. Dort führte er ein musikalisches Kabarett auf literarischer Basis für ein großstädtisches Publikum auf.

1919 gründete er die „Nelson-Künstlerspiele“, die er ein Jahr später in „Nelson Theater“ umbenannte. Dieses eigene Theater (im späteren Kino 'Astor'[1]) am Kurfürstendamm 217[2] Hatten - inklusive Balkon - weniger als 200 Stühle. Die Bühne war auch winzig, aber Nelson hatte trotzdem riesige Sets aufgebaut. In dieser Zeit entwickelte er die elegante neue Mischung aus Kabarett und Revue, die ihn berühmt machte, die Kabarett-Trevue.

Aufgrund des wirtschaftlichen Abschwungs nach dem Börsencrash 1929 konnte er kein eigenes Theater mehr betreiben. Anschließend mietete er Räume in anderen Theatern und sogar im Berliner Eden Hotel.

Die unpolitische und fast spirituelle Nelson Revue war ein charakteristischer Bestandteil der Goldenen Jahre Berlins und der Weimarer Republik in dem Zwischenkriegszeit. Dass Berlin zur Hauptstadt der Unterhaltung wurde, ist nicht zuletzt Rudolf Nelson und seinem Ensemble zu verdanken: Marlene Dietrich, Hans Albers, Claire Waldoff und Willy Prager sang seine Lieder, Josephine Bäcker trat in seinem Theater auf und Kurt Tucholsky schrieb Texte für seine unzähligen Kabarett-Trevus. Eine seiner bekanntesten Kompositionen war der Schlager Tamerlan.

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 fand die Meinungs- und Kulturfreiheit ein jähes Ende. Drei Monate später zog Nelson mit seiner Revue nach Wien, doch auch ihm wurde die Arbeit dort schwer gemacht. Nelson ging in die Schweiz und wurde 1934 bei einem Gastspiel in Zürich von dem berühmten niederländischen Sänger begrüßt Louis Davids eingeladen, nach Amsterdam zu kommen.

Er reiste mit seinem Emigrantenkabarett in die Niederlande ein Exil in 'La Gaîté' (frei übersetzt 'Die Freude'), einem Kabarett mit wechselnden Vorstellungen im ersten Stock des Tuschinsky-Theater in Amsterdam.[3] In den Sommermonaten gastierte er in Scheveningen. Damit hatte er einen großen Einfluss auf die Entwicklung des Kabaretts in den Niederlanden.

Sein Sohn Herbert Nelson (1910–1988) war zunächst mehr oder weniger als Geisel der Behörden in Berlin zurückgeblieben, wo er in monatlichen Raten eine Steuerschuld begleichen musste, die es in Wirklichkeit nicht gab. Als er zufällig entdeckte, dass die Schulden gleich geblieben waren, floh er doch und verfolgte seinen Vater. Herbert schrieb bereits in Berlin und später in Amsterdam viele Texte für seinen Vater. Aus Angst vor Zensur und Verfolgung und um das Gastland Niederlande zu schonen, mieden die Texte alle politischen Themen. Danach schrieb er auch Texte für niederländische Komiker und sogar die dazugehörige Musik.[4]

Bis 1940 produzierte Rudolf Nelson, insbesondere in Zusammenarbeit mit seinem Sohn Herbert, alle 14 Tage neue Programme, fast 100 Stück. Die Zahl war deshalb so groß, weil das Publikum der deutschen Emigranten und Niederländer, die Deutsch gut verstanden, recht klein war. Er arbeitete auch mit niederländischen Künstlern wie Fien de la Mar[5] , aber vor allem dank Gastauftritten seiner alten Berliner Kumpels mit bekannten Namen wie Max Ehrlich, Kurt Lilien, Otto Wallburg oder Willy Rosen, stieg die Bedeutung seiner Kabarett-Trevue weit über Amsterdam hinaus.Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in die Niederlande im Mai 1940 konnte sein Ensemble zunächst anderthalb Jahre durch Erhängen und Würgen in der Niederländisches Theater, unter der Aufsicht und Zensur der Gestapo.

Wir haben vergessen, was um uns herum geschah und welchen Gefahren wir tatsächlich ausgesetzt waren. Wir haben 'gespielt', das war der Dreh- und Angelpunkt unseres Lebens, das eigentlich gar kein Leben mehr war.

— Herbert Nelson[4]

Doch nach der Schließung der Hollandse Schouwburg verstummte alles und Rudolf verschwand in der Anonymität, tauchte unter und entging so der Deportation. Sohn Herbert war nur halb jüdisch und konnte im Merwedeplein 23 - wo Anne Frank mit ihrer Familie in Hausnummer 37 lebte, bevor sie sich versteckte in 'Das Hinterhaus', und auch 'Ben Ali Libi, der Zauberer' - Michel Velleman, bei Nummer 59[6], die dort mit a Überfall bis zum Gestapo wurde verhaftet und kam später ins Vernichtungslager Sobibor wurde ermordet. Dort, Herbert Nelson, mit Hilfe von Freunden aus der Widerstand für (jüdische) Freunde und Bekannte ein satirisches und politisches Underground-Kabarett. Wie durch ein Wunder blieb dies unentdeckt und wurde nicht verraten. Vater und Sohn überlebten den Krieg zu ihrer eigenen Überraschung.[7]

Nach dem Krieg machte Rudolf Nelson wieder mit großem Erfolg mehrere neue Revues, kehrte mit seiner Frau nach Berlin zurück und schrieb schließlich 1949 seine letzte Revue „Berlin Weh Weh“ (etwa „Ach ach Berlin“). 1959 erhielt er den Paul Lincke-Ring. Sein Sohn emigrierte nach dem Krieg mit seiner Frau Eva nach New York und hielt mit Auftritten und Vorlesungen an Universitäten die deutsche Kabarett-Tradition aufrecht.

Persönlich

Er heiratete die Sängerin Käthe Erlholz, die zuvor mit den Schauspielern verheiratet war Conrad Veidt und Emil Jannings. Mit ihr hatte er 1910 einen Sohn, Herbert.[8]

Nelson starb 1960 und ist auf dem Friedhof Berlin-Dahlem (Hüttenweg 47) begraben. Seine letzte Ruhestätte gehört zu den Ehrengräbern des Stadtlandes Berlin.

Das umfangreiche Rudolf Nelson-Archiv befindet sich im Archiv der Akademie der Künste in Berlin.[9]

Literatur

  • Karl Robert Brachtel: Nelson, Rudolf. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 19, Duncker & Humblot, Berlin 1999, ISBN 3-428-00200-8
  • Carmen Böker: Verzeihn Sie, dass ich glücklich bin! (Verzeihen Sie, dass ich glücklich bin!) In: Berliner Zeitung, 25. Juni 1999

Externe Links