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Gustav Havemann
Gustav Havemann um 1915

Gustav Havemann (15. März1882 im Güstrow - 2. Januar1960 im Schöneiche in Ost-Berlin in der "DDR") war ein deutscher Geiger. Er wurde 1932 Mitglied der NSDAP und dr. Joseph Goebbels ernannte ihn zum Leiter der Nazi-ist organisiert Reichsmusikkammer in der jeder Komponist und Musiker Mitglied sein musste, um aufzutreten. Schon 1935 gab es große Meinungsverschiedenheiten; Havemann protestierte gegen die Entlassung des jüdisch Musiker in seinem Orchester und er nahm es für die in den Augen der Nazis auf."entartete" Musik von Paul Hindemith. Goebbels entließ ihn unter falschen Vorwänden wie "Inkompetenz" und "Alkoholismus". Die Nazis ließen Meinungsverschiedenheiten in der Führung meist nicht an die Öffentlichkeit und vertuschten meist die Wahrheit. Der Konflikt mit Goebbels bedeutete nicht das Ende von Havemanns Karriere, während des Krieges schrieb er noch Beiträge für die Zeitschrift "Das Reich".

Das Wunderkind Gustav Havemann wurde von seinem Schwager geboren Ernst Parlow und Bruno Ahner ausgebildet und spielte als junger Mann im Hoforchester des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin in Schwerin. Nach 1898 studierte er bei dem großen Geiger Joseph Joachim zum Berliner Hochschule für Musik/ Nach 1900 war er Konzertmeister in der Hansestadt Lübeck, ab 1905 Hofkonzertmeister in Darmstadt und Hamburg. 1911 wurde er Lehrer an der Leipziger Konservatorium. eine Stelle, die er von 1915 bis 1921 mit der des Konzertmeisters an der Dresdner Hofoper verband. 1914 wurde sein Sohn Wolfgang Havemann geboren im zweiten Weltkrieg in der Rote Kapelle nahm am kommunistisch inspirierten antifaschistischen Widerstand gegen Hitler teil. Von 1921 bis 1945 war Gustav Havemann Lehrer an der Berliner Hochschule, um sich "Professor" nennen zu können. Von 1951 bis 1959 war er Lehrer an der Deutschen Hochschule für Musik in Ost-Berlin.

Das Havemann-Streichquartett, in dem er mit Georg Kühnau, Hans Mahlke und Adolf Steiner Kammermusik spielte, trat europaweit erfolgreich auf. Die vier Musiker spielten auch modernes Repertoire wie Werke von Alban Berg, Alois Haba und Adolf Brunner. Gustav Havemann war auch Mitglied der Novembergruppe[1].

1931 wurde Ingeborg Harnack seine zweite Frau. Das machte ihn zum Schwager der militanten Antifaschisten Arvid und Falk Harnack. Havemann selbst war damals Mitglied einer "völkischen" Bewegung, der Antisemiten Kampfbund für deutsche Kultur. 1932 Prof. Gustav Havemann Mitglied der NSDAP, er war die Mitgliedsnummer 1.179.504).[2].

Von 1932 bis 1935 war Gustav Havemann Konzertmeister des von ihm gegründeten "Berliner Kampfbund-Orchesters", das 1934 das Landesorchester des Gaues Berlin würde werden[2].

Nach der Machtergreifung Hitlers schrieb Havemann am 2. April 1933 an den Deutschen Concertgeversbond: "... Der Kampfund würde in der Lage sein, jüdische Einflüsse im deutschen Musikleben je wieder zu verhindern."[3]. Er nahm begeistert an der Gleichschaltung des Musiklebens und wurde im November 1933 Mitglied des Präsidiums der Reichsmusikkammer[2]. Nach dem Tod des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg er war einer der Befürworter einer Volksabstimmung der NSDAP über die Zusammenlegung der Funktionen von Reichspräsident und Reichskanzler zu denen eines autoritären "Führers". In dem Deutsches Führerlexikon 1934/1935 Gustav Havemann wurde als einer der Führer der nationalsozialistischen Bewegung genannt.

Joseph Goebbels beschloss dennoch am 5. Juli 1935, "Parteigenosse Havemann" abzusetzen. Goebbels selbst nennt den Grund, warum Havemann auf der Seite der Moderne stand Hindemith. Gustav Havemann wurde nun in die "Liste der Musikbolschewisten der NS-Kulturgemeinde" aufgenommen.[2]. Havemann hatte sich auch dagegen ausgesprochen, gute Musiker jüdischer Abstammung durch weniger erfahrene, aber arische Musiker zu ersetzen.

Es kursieren verschiedene Geschichten darüber, ob Gustav Havemann zum Rücktritt gezwungen wurde oder nicht. 1942 wurde sein Schwager Arvid Harnack auf Befehl Hitlers gehängt.

Nach 1950 war Gustav Havemann Lehrer an der Musikschule in Cottbus, sen nach 1951 an der Musikhochschule Ostberlin.

Er trug die seit 1915 Ordnung für Kunst und Wissen von Mecklenburg-Strelitz.

Kompositionen und Veröffentlichungen

  • Violinkonzert, op. 3 (1939)
  • „Was ein Geiger löschen muss“ (1921)
  • "Die Violintechnik bis zur Vollendung" (1928)

Literatur

  • Arthur Eaglefield Hull, Alfred Einstein: Das neue Musiklexikon: nach dem Wörterbuch der modernen Musik und Musiker (übersetzt von Alfred Einstein); M. Hessen, Leipzig 1926
  • Musik und Gesellschaft (hrsg. v. Verband Deutscher Komponisten und Musikwissenschaftler, Verband der Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR). S.99. Henschelverlag, 1960
  • Hans Coppi, Jürgen Danyel, Johannes Tuchel: Die Rote Kapelle im Widerstand gegen Nationalsozialismus; S. 117. Ausgabe Hentrich, Berlin 1994. ISBN 3-894681-10-1
  • Knödel, Albrecht: Aufstieg und Fall des Geigers Gustav Havemann - ein Künstler zwischen Avantgarde und Nazismus; in: Dissonanz Nr. 47, S. 9-14. Basel, Februar 1996
  • Heinze, Rainer: Gustav Havemann - Konzertmeister und Lehrer, in: Güstrower Jahrbuch 1997 (S.88) Laumann Verlag GmbH, Dülmen 1997. ISBN 3-874662-71-3
  • Stefan Roloff, Mario Vigl: Die Rote Kapelle: die Widerstandsgruppe im Dritten Reich und die Geschichte Helmut Roloffs; Ullstein, 2002
  • Shareen Blair Brysac: Widerstand gegen Hitler: Mildred Harnack und die Rote Kapelle, S. 74 und 146. Oxford University Press, USA 2002. ISBN 9780195152401
  • Schenk, Dietmar: Die Hochschule für Musik zu Berlin: Preussens Konservatorium zwischen romantischem Klassizismus und neuer Musik, 1869-1932/33, S. 118. Franz Steiner Verlag, Wiesbaden 2004.ISBN 3-515083-28-6

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