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Kleiner Hans; Analyse der Phobie eines fünfjährigen Jungen ist der Name eines von der WienerPsychiaterSigmund Freud beschriebene Fallstudie ('Geschichte'), veröffentlicht 1909. Der richtige Name des 'kleinen Hans' war Herbert Graf (1904–1973), der später ein bekannter Opernregisseur werden sollte.
Die Krankheitsgeschichte
Um 1900 war Freud ein guter Bekannter von Hans' Vater Max Graf (1873–1958), einem prominenten österreichisch Musikwissenschaftler. Auf Bitten Freuds, der empirische Unterstützung für seine Theorien suchte, begann Max Graf, Beobachtungen über die Entwicklung seines fünfjährigen Sohnes zu machen.
In den frühesten Aufzeichnungen fällt einiges auf. Hans scheint zum Beispiel in alle verliebt zu sein, vor allem aber in seine Mutter, und er macht regelmäßig Kommentare wie „Ich habe geträumt, dass du weg bist und dann hatte ich keine Mutter zum Lieben“. Hans beschäftigt sich außerdem stark mit Genitalien, von Vater, Mutter und Schwester ("die noch pinkeln müssen"), aber vor allem von sich selbst: Er spielt regelmäßig mit seinen Genitalien, woraufhin er von seiner Mutter unter anderem gerügt wird andere mit der Drohung „sonst hole ich den Arzt und er schneidet ihn ab“. Auch gegenüber seinem Vater und seiner jüngeren Schwester äußert sich Hans regelmäßig aggressiv und wütend. Bezüglich der Geburt seiner Schwester ist anzumerken, dass seine Eltern ihn auf die Geburt eines Babys vorbereitet hatten, indem sie sagten, dass das Baby im Mutterleib wuchs und mit Schmerzen in Form einer „Hoffnung“ herausgedrückt werden musste.
Irgendwann, als diese Notizen schon liefen, entwickelte Hans ein Phobie für Pferde. Auf der Straße hatte er einen Unfall mit zwei Zugpferden vor einem Wagen miterlebt. Er schien darüber so erschrocken zu sein, dass er sich irgendwann kaum noch nach draußen traute und sogar den Balkon vermied, weil die Familie gegenüber einem Lagerhaus wohnte, in das oft Pferde kamen. Später breitete sich die Phobie von Hans noch weiter aus und er hatte auch Angst vor großen Tieren im Zoo, besonders Tieren mit großen Penissen wie Elefanten und Giraffen. Seine frühere Beschäftigung mit Genitalien schien sich langsam in eine… Obsession herauswachsen: Als ihn irgendwann sein Vater mit den Worten „Große Tiere haben große Gucker und kleine Tiere haben kleine Guckucke“ beruhigen will, sagt Hans: „Und alle Menschen haben Guckucke. Und wenn ich größer werde, wächst auch mein Urin. Er bleibt sowieso bei mir."
Analyse und Interpretation
Zusammen mit Hans' Vater analysierte Freud die verschiedenen Symptome von Hans' Verhalten, insbesondere seine Pferdephobie. Die Pferde, von denen sich der Junge bedroht fühlte, standen laut Freud vor seinem Vater, der einen großen Schnurrbart trug, "genau wie die Mähnen der Pferde". Hans hätte Angst, dass sein Vater wegen seiner Liebe zu seiner Mutter und seiner heimlichen Todeswünsche an seinen Vater wütend auf ihn war. Er verband Pferde auch mit "Haufen", die aus dem Körper kamen, was die Ankunft seines anderen Rivalen, seiner Schwester, symbolisierte. Hans' Pferdescheu war sozusagen ein raffinierter Vorwand, mit Gefühlen umzugehen, die er selbst nicht einzugestehen wagte. Freud zufolge haben sich seine inakzeptablen Wünsche und Ängste eindeutig in Symptome verwandelt.
Freud weist in seiner Analyse auch auf alle möglichen Ambivalenzen in Hans' Gefühlen hin. Er sieht seinen Vater als Rivalen, scheint ihn aber gleichzeitig zu lieben (zum Beispiel schlägt er seinen Vater und küsst ihn dann dort, wo er ihn geschlagen hat). Andererseits hegt er trotz seiner leidenschaftlichen Liebe zu seiner Mutter auch sadistische Sehnsüchte ihr gegenüber, möglicherweise wegen ihrer Liebe zu seiner Schwester, für die er Todeswünsche hegen würde. Allgemeiner verwendet Freud seine Analyse, um seine Theorie der oedipus Komplex.
In Bezug auf Hans' Beschäftigung mit Genitalien und die angebliche Angst, seine eigenen Genitalien zu verlieren, stellt Freud eine klare Kastrationsangst, auch ein wichtiges Konzept in der psychoanalytischen Theorie.
Heilung und Ende
Nachdem Freud mit seinem Vater die Krankengeschichte von Hans ausführlich analysiert hatte, sprach er mit dem Jungen erstmals persönlich, manchmal gemeinsam mit seinem Vater, über sein Verhalten. Nachdem er dem Fünfjährigen freundlicherweise seine Gefühle und Ängste erklärt hatte, wofür das Pferd stand, die Hoffnungen und so weiter, begann die Phobie nachzulassen und schließlich ganz zu verschwinden.
Hans zeigt während dieses therapeutischen Prozesses einen für sein Alter außergewöhnlich scharfen analytischen Einblick, weist eine Reihe von Vorschlägen, insbesondere seines Vaters, zurück und unterscheidet bereits außerordentlich zwischen Denken und Handeln, Wollen und Tun. Freud selbst schrieb, dass er von einem Erwachsenen kein besseres Verständnis der Psychoanalyse hätte erwarten können. Ebenso ermutigend war Hanss Lösung seiner ödipalen Konflikte: Einmal stellte er sich vor, sein Vater sei mit seiner eigenen Mutter verheiratet, und Hans könne somit seine eigene Mutter heiraten. Es ist die positive ödipale Lösung: „Später, wenn ich groß bin, gehe ich wie der Vater…“.
Am Ende endete alles gut mit Hans alias Herbert Graf. Er wuchs zu einem energischen Mann heran und wurde ein bekannter Opernregisseur. Dies war zur Befriedigung von Freud, der später das Gefühl hatte, seine Kritiker zum Schweigen gebracht zu haben. Hans' Eltern endeten nicht gut, in dem Sinne, dass sie sich kurz nach der Analyse scheiden ließen, teilweise wegen Meinungsverschiedenheiten über die Erziehung ihrer Kinder.
Siehe auch
Literatur
- Peter Gay: Sigmund Freud: sein Leben und Werk, Tirion, Baarn, 1989
- Sigmund Freud: Analyse der Phobie eines 5-jährigen Jungen (kleiner Hans) Nachtrag zur Analyse des kleinen Hans. Krankheitsgeschichten 1, Boom Publisher, Den Haag, 1979
- Harry Streken: Freud und seine Patienten, Regenbogen, Amsterdam, 1985