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Siegfried Leo Spitzer (Wien, 7. Februar1887 - Forte dei Marmi (Italien), 16. September1960) war ein Österreicher-Amerikaner Romanist und Literaturwissenschaftler.
Leben
Spitzer schloss 1906 sein Abitur am Franz-Joseph-Gymnasium in Wien ab Universität Wien Romanische Philologie ging zum Studium mit Wilhelm Meyer-Lübke, eine Studie, die er 1910 mit einer Dissertation über Rabelais. Von 1910 bis 1912 hielt er sich in Paris und Leipzig auf, um Vorlesungen über die Geschichte der französischen und indogermanischen Sprachwissenschaft zu besuchen. Anschließend verbrachte er ein Jahr in Italien, um das Land und die Sprache kennenzulernen. Am 4. März 1913 erhielt er seinen Habilitation (Lehrbefugnis an der Universiteti) für romanische Philologie durch eine Schrift über die französischen Dialektausdrücke für „Nüsse vom Baum schlagen“. Von 1915 bis 1918 musste er Militärdienst leisten; er wurde mit der Abteilung beauftragt, die ausgehende Post zensierte. Er nutzte die Situation aus, indem er die Sprache der italienischen Kriegsgefangenen auf ihren Postkarten nach Hause studierte und insbesondere auf ihre Definitionen des Begriffs „Hunger“ (dieses Wort selbst durften sie nicht verwenden) achtete. Daraus entstanden zwei Arbeiten zum Alltagsgebrauch der Italiener[1]
1918 folgte Spitzer seinem Lehrer Meyer-Lübke nach Bonn, wo er als Privatlehrer Vorlesungen halten durfte, aber keine offizielle Anstellung erhielt, die er von seinem Judentum her kennt. 1925 erhielt er schließlich eine Professur in Marburg. 1930 kehrte er für eine offizielle Stelle an der romanischen Fakultät nach Bonn zurück. Hier war u.a. Raymond Aron seine Schülerin. Hier war er an der Gründung des Portugiesisch-Brasilianischen Instituts beteiligt. im Jahr 1932. Im April 1933 wurde er jedoch Berufsbeamtengesetz vom kürzlich an die Macht gekommenen Nazi-Regime entlassen.
Bald nach diesem erzwungenen Weggang wurde Spitzer Professor in Istanbul. 1936 ging er nach Amerika, wo er Johns Hopkins Universität im Baltimore wurde berufen und blieb dort bis zu seiner Pensionierung 1956. Zunächst klagte er über psychische Isolation, doch seine englischsprachigen Veröffentlichungen erregten immer mehr Aufmerksamkeit. Unter anderem sein Vortrag von 1948 Amerikanische Werbung als populäre Kunst erklärt dazu beigetragen[2].
In seinen letzten Lebensjahren war Spitzer oft in Italien, wo er auch 1960 (an einem Herzinfarkt) starb.
Arbeit
Spitzer hat sich vom romanischen Philologen zum allgemeinen Stilkritiker und Literaturwissenschaftler entwickelt. Anfangs war er rein sprachlich und beschäftigte sich viel mit Etymologie. Von diesem positivistischen (nur sprachlichen Wandel betrachtenden) Ansatz, den er bei Meyer-Lübke erworben hatte, wechselte er immer mehr zu einem „idealistischen“ Ansatz, in dem Sprache eher als human empfunden wurde. Ausdruck wird dann gesehen als Aussage. Von 1912-1927 korrespondierte Spitzer mit Hugo Schuchardt, ein Romanist/Sprachwissenschaftler, der andere Ansichten vertrat als Meyer-Lübke: er wollte die Linguistik nicht wie die Junggrammatiker möglichst als Naturwissenschaft ansehen, denn hier nicht nur mechanisch only Klanggesetze aktiv sein, aber auch soziale, menschliche Faktoren spielen eine Rolle[3]. Neben Schuchardt waren auch Karl Voßler und Benedetto Croce Einfluss auf Spitzers Stilvorstellungen. Methode ist Erlebnis wurde zu einem Motto von Spizer: erst den Eindruck, den das Werk hinterlässt (erleben), und von dort zu einer (persönlichen) Interpretation des Gesamtkunstwerks gelangen.
Veröffentlichungen[4]
- 1910: Die Wortbildung als Stylisten Mittel exemplifiziert an Rabelais. Nebst einem Anhang über die Wortbildung bei Balzac in seinem "Contes Drolatiques". These.
- 1912: Die namgebung bei neuen Kulturpflanzen im Französischen : dialectfranzösisch Echaler "Nüsse Abschlagen". Habilitationsschrift.
- 1918: Aufsätze zur romanischen Syntax und Stilistik.
- 1918: Fremdwörterhatz und Fremdvölkerhaß. Eine Streitschrift gegen die Sprachreinigung.
- 1918: Über einige Wörter der Liebessprache. Vier Aufsätze..
- 1920: Studien zu Henri Barbusse.
- 1920: Die Umschreibungen des Begriffes Hunger im Italienischen : stilistisch-onomasiologische Studie auf dem Boden von unveröffentlichem Zensurmaterial.
- 1921: Lexikalisches aus dem katalanischen und den übrigen iberomanischen Sprachen.
- 1921: ber die Ausbildung von Gegensinn in der Wortbildung. Im: Beiträge zur romanischen Wortbildungslehre.
- 1921: Italienische Kriegsgefangenenbriefe. Materialien zu Einer Charakteristik der Volktümlichen italienischen Korrespondenz.
- 1922: Italienische Umgangssprache.
- 1922: Hugo Schuchardt-Brevier herausgegeben von Spitz. Dazu gehört Schuchardts über die Lautgesetze: Gegen die Junggrammatiker, die großen Einfluss auf Spitzer hatte.
- 1928: stilles studiumstudium.
- 1929: Meisterwerk der Romanischen Sprachwissenschaft (herausgegeben von Spitzer).
- 1931: Romantische Stil- und Literaturstudien.
- 1948: Sprach- und Literaturgeschichte.
- 1948: Aufsätze zur historischen Semantik.
- 1949: Eine Methode zur Interpretation von Literatur.
- 1959: Romanische Literaturstudien.
- 1962: Essays zur englischen und amerikanischen Literatur. Posthum veröffentlichte Aufsatzsammlung von Anna Hatcher, hauptsächlich auf Englisch und Amerikanische Poesie.
- 1963: Klassische und christliche Vorstellungen von Weltharmonie: Prolegomena zu einer Interpretation des Wortes „Stimmung“.
- 2006: Leo Spitzers Briefe an Hugo Schuchardt. Herausgeven und eingeleitet von Bernhard Hurch. Enthält Briefe aus der Zeit 1912-1927 (als Schuchardt starb), insbesondere Briefe von Spitzer, die Schuchardts sind weitgehend verschollen.
Quellen, Anmerkungen und/oder Verweise
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