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Hedwig Dohm, geboren als Marianne Adelaide Hedwig Jülich (20. September1831, Berlin - Dort, 4. Juni1919), war eine deutsche feministische Schriftstellerin. Ihre Werke waren maßgeblich für die Rechte von Frauen, einschließlich des Frauenwahlrechts.
Biografie
Dohm wurde als viertes und uneheliches Kind des Tabakkonzerns G.A. geboren. Schlesinger und seine Frau W. H. Jülich. Erst nach der Heirat ihrer Eltern wurde sie von ihrem Vater anerkannt. 1851 ließ Schlesingers Vater seinen Namen und den seiner 18 Kinder in Schleh ändern, weil Schlesinger eine jüdische Konnotation hatte. In den Jahren 1852-1853 lernte Hedwig Schleh ihren Mann Ernst Dohm als Spanischlehrer kennen und heiratete ihn. Dohm war Chefredakteur des Satiremagazins Kladderadatsch. Durch ihren Mann lernte sie in Berlin bedeutende Persönlichkeiten des Intellektuellenkreises kennen. Hedwig und Ernst hatten zusammen fünf Kinder.
Das Deutsche Revolution von 1848 berührte Dohm so sehr, dass sie sich ab 1872 für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern einsetzte. Ihre ersten vier theoretisch-feministischen Aufsätze erschienen beispielsweise in der Zeit von 1872 bis 1879. Darüber hinaus schrieb sie während und nach dieser Zeit auch Komödien, Romane und Novellen, in denen sie ihre Denkweise deutlich machte und die in Berlin zu einem großen Erfolg wurden.
Nach dem Tod ihres Mannes 1883 nahm sie eine etwas radikalere Position ein und gründete und leitete mehrere radikale Frauenbewegungen und -vereine. Ab 1895 veröffentlichte sie ihre Ideen als Publizist mit gesellschafts- und literaturkritischen Artikeln in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften. Dies tat sie bis zu ihrem Tod und veröffentlichte in dieser Zeit fast 100 Artikel. 1904 gelang ihr mit ihrem Engagement für weibliche Rechte, wurde sie Ehrenpräsidentin des neu gegründeten DVF (Deutscher Verein für Frauenstimmrecht, Deutsche Gesellschaft für Frauenwahlrecht) gewählt.
Allerdings wurde es nicht von allen bewundert: 1913 feierte die Stadt Berlin mit zwei Jahren Verspätung Dohms 80. Geburtstag. Obwohl sie den falschen Geburtstag leicht nahm, die Erster Weltkrieg überhaupt nicht. Sie äußerte sich im Gegensatz zu den meisten Intellektuellen unserer Zeit als radikale Pazifistin. Zur Verteidigung ihrer Position schrieb sie 1917 Der Mißbrauch des Todes.
Im Alter von 87 Jahren starb Dohm in Berlin; sie ist dort auch mit ihrem Mann begraben. Nach ihrem Tod entstand in der 70er Jahre des zwanzigstes Jahrhundert erhöhtes Interesse an ihrer Arbeit. Grund dafür sind die feministischen Botschaften in ihren Werken.
Wissenswert
- Dohm gilt als Urheber des Begriffs Antifeminismus.
- Dohm ist die Großmutter von Katia Mann (geb. Pringsheim)
Arbeiten
Soziale Schriften
- Dachten die Pastoren von den Frauen. 1872
- Der Jesuitismus im Hausstand. Ein Beitrag zur Frauenfrage. 1873
- Die Weisheits-Emanzipation der Frauen. 1874
- Der Frauen Natur und Recht. Zur Frauenfrage. Zwei Abhandlungen über Eigenschaften und Stimmrecht der Frauen. 1876
- Diese Antifeministinnen. Ein Buch der Verteidigung. 1902
- Die Mutter. Ein Beitrag zur Erziehungsfrage. 1903
- Der Mißbrauch des Todes. 1917
Darüber hinaus hat Dohm fast 100 Artikel, Rezensionen, Gesellschaftsanalysen und Polemiken für Zeitungen und Zeitschriften verfasst.
Prosatexte
- „Werde, die du bist!“ Wer wurde Frauen. 1894
- Sibilla Dalmar. 1896
- Schicksale in Seele. 1899
- Christa Ruland. 1902
Theater
- Der Seelenretter. Komödie 1876
- Vom Stamm Asra. Komödie 1876
- Ein Schuss ins Schwarze. Komödie 1878
- Die Ritter vom goldenen Kalb. Komödie 1879
Edition Hedwig Dohm
Herausgeber sind Nikola Müller & Isabel Rohner.
- Ausgewählte Texte. Ein Lesebuch zum Jubiläum des 175. Geburtstages mit Essays und Feuilletons, Novellen und Dialogues, Aphorismen und Briefen. 2006
- Sibilla Dalmar. Kommentierte Neuauflage mit aktuellen Rezensionen. 2006
- Schicksale in Seele. Kommentierte Neuauflage mit aktuellen Rezensionen. 2007
- Christa Ruland. Kommentierte Neuauflage mit aktuellen Rezensionen. 2008
- Briefe aus dem Krähwinkel, 100 Briefe erstmals ausgestellt. 2009
Literaturverzeichnis
- Heimel, Elisabeth. "Untergang, Hedwig." Neue Deutsche Biographie, Duncker & Humblot, 1959, pg. 41-42.
- Killy, Walter. "Untergang, Hedwig." Literaturlexikon. Bearbeitet von Peter König, Bertelsmann Lexikon-Verlag, 1988-1993, S. 97.
- Meister, Franziska. "Killy, Walther." Historisches Lexikon der Schweiz. 16.10.2008, www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D11665.php. Zugriff am 7. Dezember 2017.
- Pailer, Gaby ua "Dohm, Hedwig." An anderer Stelle rezensiert, University of Hawaii Press, 2012, pg. 415.
- Rohner, Isabel. "Chronik Hedwig Dohm." Spuren ins Jetzt: Hedwig Dohm – eine Biografie. Helmer, 2010, S. 148-149.
- "Dohm, Hedwig – Biografie." Zeno, www.zeno.org/Literatur/M/Dohm, Hedwig/Biographie. Zugriff am 6. Dezember 2017.