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Jacob Wilhelm Lustig
Titelseite von Lustigs Einführung in die Musikwissenschaft (1751)

Jacob Wilhelm Lustig (Hamburg, 21. September1706 - Groningen, 14. Mai1796) war mal Organist des Martinikerk in Groningen. Er arbeitete auch als Komponist, Cembalist und Musiktheoretiker.

Lebenszyklus

Lustig war der Sohn des Hamburger Organisten Jacob Wilhelm Lustig. Schon früh erhielt er Orgelunterricht bei seinem Vater, der Organist an der Hamburger Michaeliskirche war. Bereits mit 11 Jahren löste er seinen kränkelnden Vater ab, wurde später Organist der Niederländisch-Reformierten Kirche in Hamburg und erhielt eine feste Anstellung in der dortigen lutherischen Hilfskirche.[1]Nach einer musikalischen Grundausbildung, die ihm sein Vater gegeben hatte, war ein Schüler von Georg Philipp Telemann für musikpraktische Fächer, von Johann Mattheson für Musiktheorie und Komposition und dann von Johann Paul Kuntzen, später Organist der Marienkirche in Lübeck und damit Nachfolger in Folge von Dietrich Buxtehude.Im November 1720 (vermutlich am 16. November) erlebte er die Aufführung von Johann Sebastian Bach an der großen Orgel der Hamburger Sankt Catharinenkirche. Dies geschah im Rahmen einer von Bach selbst endgültig abgesagten Bewerbung um die vakante Stelle des Organisten und Kirchenverwalters (!) an der Sankt Jacobikirche. Mehr als sechzig Jahre später bemerkt er in der Ausgabe (1786) seiner Übersetzung von Charles Burneys 'The Present State of Musick in Germany, The Netherlands and The United Provinces' dazu: 'My Geest war zum ersten Mal in ligte Vlammen Als ich das von Orgelman hörte.“ Nach einer vergeblichen Bewerbung wurde Lustig 1728 zum Organisten der Martinikerk in Groningen berufen. Hier spielte er es 1692 Arp Schnitger aufwendige Kirchenorgel.

Neben seiner Tätigkeit als Organist – in der er hauptsächlich als Improvisator tätig war – war Lustig Musiklehrer und Komponist und komponierte für das Stads Muziek Collegium von Groningen neben Kirchenmusik auch andere Vokalstücke mit Ensemble. ... alle Arten von Charakteristiken Musizieren: 12 Rustiques Konzerte; Trios, La Brune und La Blonde; Symphonien, la Monarchie, l'Aristocracy et la Démocratie; der Oxenmarkt; Ouvertüren, l'Italien, le Francois, l'Anglais; von allen, die (ich) nur im Besitz der Partituren geblieben sind.[2]

Von dieser Ensemblemusik ist nichts überliefert. Lustigs Lieder wurden am 9. März 2009 in einer Sendung von Musica Religiosa aufgeführt. Diese Sendung ist noch im Radioarchiv zu hören. Gesungen werden die Lieder von der Sopranistin Caroline Stam, begleitet von Vincent van Laar am Cembalo. Es handelt sich um religiöse, aber auch weltliche Lieder, von denen die IKON etwa zehn aufgenommen hat.

Einige seiner komponierten Sonaten sind im Druck erschienen. Er ist auch Autor verschiedener Werke auf dem Gebiet der Musiktheorie und Musikästhetik.Als Orgelsachverständiger beriet Lustig u.a. beim Bau von Orgeln in Spülen, Rotterdam, Roden und KämpfenLustig sah sich in erster Linie als Kirchenorganist. Er verbesserte den Kirchengesang in Groningen durch die Verwendung ausgefeilter und neuer Orgelregister und besserer unterstützender Begleitung.

1999, in Aurich entdeckte im deutschen Ostfriesland eine handschriftliche Kopie seiner bis dahin verschollenen Sammlung von 24 Capricetten. Diese Tastenwerke (für Cembalo oder Hammerklavier) wurden 2008 erstmals gedruckt, herausgegeben vom Musikwissenschaftler Dr. Rudolph Rasch (Universität Utrecht). Die CD, auf der Vincent van Laar alle Capricetten spielt, wurde im Juni 2012 von der Groningen Orgelland Foundation veröffentlicht.

Lustig stand in persönlichem Kontakt mit vielen bereits zu ihrer Zeit als berühmt bekannten Musikerkollegen: 1772 mit Charles Burney die Groningen in diesem Jahr besuchten. Und 1789 lernte er den Orgelvirtuosen Abbé Georg Joseph Vogler kennen.

Ob Lustig 1767 in persönlichem Kontakt stand, ist noch unklar[3] hat mit gestanden Carl Philipp Emanuel Bach, der zweite Sohn von J.S.Bach, der am 8. Januar desselben Jahres ein Wirtshauskonzert in Groningen gab. Es ist sehr erstaunlich, dass Lustig, der sich gerne ins Rampenlicht stellte, das Konzert und seine Begegnung mit diesem Bach-Nachwuchs nicht erwähnt.[3] Dies ist der erste aufgezeichnete Besuch eines Sohnes von J.S.Bach in den Niederlanden. Später in Amsterdam folgten Aufführungen anderer Bachsöhne, Johann Christoph Friedrich ("Bückeburger Bach") und Johann Christian Bach (der "Londoner" oder "englischer" Bach").

Lustig war Mitlöser einer genialen Rätselkanone von J.S.Bach (BWV 1074, ab 1727, angefertigt für Ludwig Friedrich Hudemann), über die sein ehemaliger Hamburger Lehrer Mattheson in seiner Musikschrift „Der Vollkommene Kapellmeister“ (1739) ausführlich berichtet.

Jacob Wilhelm Lustig starb im Mai 1796 im Alter von 89 Jahren in Groningen. Er wurde am 17. Mai 1796 geboren[4] unter der großen Orgel der Martinikerk begraben. Der entsprechende Grabstein befindet sich noch heute hier.

Das Urteil des Komponisten Lustig ist ambivalent, manche sehen ihn als selbstgerechten, unbescheidenen, eher aufbrausenden und arroganten Musiker, der in Kompositionen und literarischen Beiträgen nichts Originelles und Originelles hervorgebracht hat. Andere hingegen betrachten ihn als Pionier, Theoretiker und Praktiker in einem.[3]

Gedenkkonzert

Am Samstag, 31. Mai 2008, wurde Jacob Wilhelm Lustig mit einem ihm gewidmeten Konzert in der Martinikerk in Groningen gedacht. Gespielt wurden einige der Sonaten von 1734, einige Lieder und eine Auswahl von 24 Capriceten, einer Sammlung von Klavierstücken aus den 1770er Jahren in allen (24) Tonarten, bei dieser Gelegenheit erste Exemplare der (Erst-)Ausgabe dieser Werke wurden dem Organisten Wim van Beek – einem zeitgenössischen Nachfolger von Lustig als Martini-Organist – und dem Organisten und Musikwissenschaftler Harald Vogel übergeben, der als erster die Sammlung von Lustigs Entdeckungen veröffentlichte.

Musikalische Werke (gedruckt)

  • 1734 – Sechs Sonaten: pour le clavecin: Ouvrage Premier (Amsterdam, Gerhard Frederik Witvogel).
Die Kollektion ist gewidmet Prinzessin Anna, Ehefrau des damaligen Statthalters von Friesland, Groningen, Drenthe und Gelderland, der später . wurde erblicher Stadthalter des Republik der Sieben Vereinigten Niederlande wenn Prinz Wilhelm IV wurde bekannt.
  • 1742 – Sonaten für Cembalo... Gräber von Mme Leclair. Premierenfeier. Reimpression de l'édition de Paris, Leclair, veuve Boivin, Le Clerc (Neuauflage/Faksimile, Editions Minkoff, 1986).
  • 1752 – Zehn weltliche und zwanzig geistliche Lieder (für Singstimme und Basso continuo) in drei Episoden der „Maenlijks Musikaels Tijdverings“ (Amsterdam)

Musikveröffentlichungen nach Lustigs Tod

  • 1961 – Sonate VI ([aus obigen Sammlungen] Wilhelmshaven)
  • 1987 – Sonaten für das Cembalo ([Halb-Faksimile-Ausgabe] Utrecht)
  • 1992 – Fantaisie [aus Sonate V] und Sonate II (Utrecht)
  • 1994 – Sonate, Cembalo, Opus 1, Nr.4, E-Dur (Neuausgabe)
  • 1994 – Sonate per clavicembalo, prima edizione moderna (Neuauflage im Neudruck aller Sonaten, Padua)
  • 2008 – XXIV Capricetten für das Klavier (Erstausgabe, Utrecht)

Handschriftliche Komposition

  • Die Erwähnung des Namens „Lustig“ auf einer handgeschriebenen Basso continuo-Vertonung des (lutherischen) Hymnus aus dem 18. Jahrhundert Wir glauben all an einen Gott – „Vom Organisten Lustig“, wie in der Urkunde angegeben – kann sich auf Jacob Wilhelm Lustig senior beziehen aus Hamburg als Komponist oder auf seinen Sohn Jacob Wilhelm Lustig junior, der zunächst in Hamburg arbeitete.

Musiktheoretische Werke

(chronologisch)

  • Einführung in die Musikwissenschaft; : aus klaren, unwiderlegbaren Gründen die innere Schöpfung, die Ursachen der singulären Wirkungen, der große Wert und das Aufzeigen des richtigen Gebrauchs der musikalischen Kunst (1751, Groningen/1758, Amsterdam)
  • Johann Jacob Quantz – Gründliche Ausbildung van den Aardts und der richtige Umgang mit der Flöte (Übersetzung aus Lustig; 1754, Amsterdam)
  • musikalische Sprachkunst; oder klare Angabe und Erklärung allerlei Wissenswertes, die die Grundlage der gesamten musikalischen Praxis bilden könnten (1754, Amsterdam)
  • Andreas Werckmeiser – Orgelprobe (Übersetzung von Lustig; 1755, Amsterdam)
  • Zwölf Argumente zu nützlichen musikalischen Themen: Behandlung: 1 Allgemeine Prinzipien; 2 Der wahre Zweck von 't ut re mi usw. 3 Die Grundtöne der Kirchenpsalmen; 5 Die richtige Verwendung von Liedmusik; 6 Der Ursprung der Gesangskunst; 7 Die Essenz der Musik; 8 Der Musikgeschmack; 9 Musikalische Poesie 10 Ein neues Intervallsystem; 11 Die musikalische Harmonie und 12 Die perfekte Behandlung von Kirchenliedern : angereichert mit einigen Anhängen ... mit 20 dekorativen ... Notentafeln und mit einem vollständigen Register : für die Forschung von Kennern ... in Form von Maandelykschen Dialogen (1756, Amsterdam)
  • Wenceslaus Wodiczka – Ausbildung für die ersten Novizen, wenn sie mehr Erfahrung in der Geigenkunst haben (Übersetzung von Lustig: 1757[?], Amsterdam)
  • Biografische Hinweise zu Musikern (1762, Groningen)
  • Friedrich Wilhelm Marpurg – Einführung in das Klavierspiel (Übersetzung aus Lustig; 1760 und 1765, Amsterdam)
  • Nicolo Pasquali – Leichter rezitierter Generalbass (Übersetzung aus Lustig; 1763, Amsterdam)
  • Anleitung für Hauptschlüssel oder Masterreste nach 56 Jahren Erfahrung erstellt (1777, Groningen)
  • Anpassen des Fingersatzes des Tastaturspiels (1784, Groningen)
  • Charles Burney – Reichhaltig ausgestatteter Bericht über den aktuellen Zustand zeitgenössischer Musik oder Karel Burneys Tagebuch seiner jüngsten musikalischen Reisen durch Frankreich, Italien und Deutschland (Übersetzung aus Lustig; 1786, Groningen)

Literaturverzeichnis

  • Strategier, Petronella Elisabeth Maria Die Sprache der Leidenschaften: die Vision dreier niederländischer Schriftsteller des 18. Jahrhunderts über Musik und ihre Beziehung zur Poesie, Hrsg. Buro Extern, Alkmaar, ISBN 90-73941-25-3 (Dissertation Universität Amsterdam, enthält CD mit Sonate von Lustig gespielt von Gert Oost)
  • Die Groninger Musikwissenschaftlerin und Organistin Elly Kooiman widmete ihre Masterarbeit Lustig.[5]