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Niklas Luhmann
Niklas Luhmann

Niklas Luhmann (Lüneburg, Deutschland, 8. Dezember1927 - Oerlinghausen, Deutschland, 6. November1998) war ein DeutscheSoziologe. Mit dem amerikanischen Soziologen Talcott Parsons Luhmann gilt als einer der Gründer der Theorie sozialer Systeme, der soziologische Zweig der Allgemeine Systemtheorie.

Lebenszyklus

Niklas Luhmann wuchs in einem bürgerlichen Umfeld in . auf Lüneburg. Sein Vater besaß eine Brauerei. Luhmanns Karriere fand zunächst in seiner Heimatstadt, in der Landesregierung statt Niedersachsen. Als Rechtsassistent der dortigen Regierung interessierte er sich für die (Rechts-)Soziologie. Ein Studienurlaub brachte ihn zu Harvard, wo er mit studiert hat Talcott Parsons, mit dem er die Faszination für einen theoretischen Rahmen teilte, mit dem man alle gesellschaftlichen Phänomene abbilden kann. Die Weiterentwicklung der Parsons-Theorie für die Erforschung der modernen Gesellschaft motivierte Luhmanns Karrierewechsel vom Juristen in der öffentlichen Verwaltung zum Soziologen an der Universität.

In den 1960er Jahren wurde er Assistent des Soziologen Helmut Schelsky zu einer Filiale der Universität Münster im Dortmund. Nach einem fulminanten Start in die Wissenschaft – Luhmann promovierte 1966 und erhielt das Lehrrecht – wurde er 1968 als Professor an die neue Fakultät für Soziologie der Universität berufen. Bielefeld. Dort arbeitete er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1993. 1977 starb Luhmanns Ehefrau Ursula von Walter, mit der er seit 1960 verheiratet war. Er blieb mit drei Kindern zurück. Luhmann selbst starb im November 1998 an einer in der Stadt nie vollständig geklärten Blutkrankheit Oerlinghausen.

Arbeit

Luhmann arbeitete über dreißig Jahre an einer beeindruckenden theoretischen Struktur, bestehend aus vielen Büchern. Sein Ehrgeiz war nichts Geringeres, als eine universelle Theorie zu konstruieren, in der alles Soziale behandelt und beschrieben werden konnte.

Seine einflussreichsten Werke sind Soziale Systeme, Grundriss einer allgemeinen Theorie (1984) und Die Gesellschaft der Gesellschaft (1997). In diesen Büchern arbeitet Luhmann als Gesellschaftstheorie die auf mindestens vier theoretischen/philosophischen Bewegungen aufbaut: die Allgemeine Systemtheorie (Norbert Wiener, Ludwig von Bertalanffy), das zugehörige logischer und neurobiologischer Konstruktivismus (George Spencer-Brown, Humberto R. Maturana, Francisco Varela, Jean Piaget), das Phänomenologie/Phänomenologische Soziologie (Edmund Husserl, Alfred Schütz) und soziologische Systemtheorie (Talcott Parsons).

Soziale Differenzierung

Im Zentrum von Luhmanns Theorie stehen drei Formen von soziale Differenzierung: das segmental, das stratifikatorisch und der funktional. Die einfachste Form ist die segmentäre Differenzierung. Dabei gliedert sich die Gesellschaft in mehr oder weniger gleich große Einheiten mit starken lokalen Bindungen: Familien, Stämme, Clans und Dörfer. Die stratifikatorische Differenzierung – historisch die erfolgreichste bei den Hochkulturen in Europa, Asien und Amerika – teilt die Gesellschaft in ungleiche Schichten (Schichten), wie Adel und Volk in Europa und Kasten in Indien. Die Zugehörigkeit zu einer Klasse schließt die Zugehörigkeit zur anderen aus.

Ab dem Ende des 16. Jahrhunderts entwickelte sich in Europa allmählich eine neue Form der Differenzierung, die funktionale, die die Grundlage für die moderne Gesellschaft, wie wir sie heute kennen, bilden sollte. Verschiedene Domänen wurden voneinander unabhängig: Politik, Recht, Religion, Wissenschaft, Familie/Privatsphäre, Bildung und Wirtschaft. Als Person werden Sie von jedem dieser sozialen Subsysteme angesprochen. Für die Politik ist man Bürger und Wähler, für das Recht eine natürliche Person (die das Gesetz kennen soll), für die Religion ein Gläubiger oder Ungläubiger und so weiter.

Kommunikation

Anders als in der Soziologie üblich, besteht die Gesellschaft in Luhmanns Theorie nicht aus Menschen (als Elementen des sozialen Systems), sondern aus Kommunikation. Gesellschaftliche Teilsysteme wie Politik, Recht und Wissenschaft unterscheiden sich voneinander durch das, was Luhmann de Lead-Code oder binäre Kodierung erwähnt: eine dominierende Unterscheidung, die der Kommunikation zugrunde liegt. Für die Politik ist dies zum Beispiel Macht/Impotenz (Regierung/Opposition), für die Rechtsordnung Recht/Unrecht, für die Wirtschaft zahlen/nicht zahlen, für die Wissenschaft wahr/falsch und für die Religion glauben/glauben nicht. Je nach dominantem Code gehört eine Kommunikation zu einem Subsystem und nicht zu dem anderen. Luhmann versteht unter „Gesellschaft“ die Gesamtheit aller Kommunikationen, innerhalb derer unterschiedliche innere Grenzen gezogen werden.

Ein roter Faden durch Luhmanns Werk ist eine theoretische Kontroverse mit theoretical Jürgen Habermas, die Anfang der 1970er Jahre begann. Der Kern der Kontroverse liegt in der Konzeptualisierung der Rolle der Kommunikation in sozialen Kontexten. In ihren Theorien nimmt die Kommunikation einen zentralen Platz ein, wohin aber laut Habermas Kommunikation führen soll Konsensbildung, argumentiert Luhmann, dass Konsens und Dissens (oder Konflikt) in einer allgemeinen Theorie müssen beide vorkommen.

uvre

Das Oeuvre von Niklas Luhmann umfasst eine Vielzahl von Büchern und Artikeln, die sich einer sehr unterschiedlichen Themenpalette widmen. Insgesamt veröffentlichte er zusätzlich zu Die Gesellschaft der Gesellschaft, sieben Arbeiten zu sozialen Subsystemen: Wissenschaft, Kunst, Recht, Wirtschaft, Politik, Religion und Bildung (die letzten drei erschienen posthum und nicht vollständig abgeschlossen). Neben sechs Essay-Bundles unter dem Titel Soziologische Aufklärung und vier Teile Gesellschaftsstruktur und Semantik gewidmet Luhmanns Version des Wissenssoziologie, wurden für das theoretische Hauptwerk verschiedene Vorstudien veröffentlicht Sozialsysteme, einige Monographien und zahlreiche Beiträge zu Zeitschriften und Sammlungen. Luhmann widmete Bücher, Sammlungen und Beiträge auch den Massenmedien, Ökologie, Liebe, Familie, Zeit, Vertrauen, Governance, Organisationen und Management, sozialem Protest und Risiko.

Das Niklas-Luhmann-Archiv der Universität Bielefeld hält a aufführen bei van Luhmanns Publikationen, einschließlich Übersetzungen. In der folgenden Liste sind nur die wichtigsten Monographien und Aufsatzsammlungen aufgeführt.

Veröffentlichungen

Luhmanns Werk wurde unter anderem ins Englische (siehe unten) sowie ins Französische, Italienische und Portugiesische übersetzt. Auf Italienisch Luhmann erschienen 1992 bei Raffaele de Giorgi Teoria della Società, die als Vorarbeit für Die Gesellschaft der Gesellschaft.

Gesellschaftstheorie
  • Soziale Systeme, Grundriss einer allgemeinen Theorie. Frankfurt am Main: Suhrkamp, ​​1984.
  • Die Wissenschaft der Gesellschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp, ​​1990.
  • Das Recht der Gesellschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp, ​​1993.
  • Die Wirtschaft der Gesellschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp, ​​1994.
  • Die Kunst der Gesellschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp, ​​1995.
  • Die Gesellschaft der Gesellschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp, ​​1997.
  • Die Politik der Gesellschaft (herausgegeben von André Kieserling). Frankfurt am Main: Suhrkamp, ​​2000.
  • Die Religion der Gesellschaft (herausgegeben von André Kieserling). Frankfurt am Main: Suhrkamp, ​​2000.
  • Das Erziehungssystem der Gesellschaft (herausgegeben von Dieter Lenzen). Frankfurt am Main: Suhrkamp, ​​2002.
Soziologische Aufklärung
  • Soziologische Aufklärung, Band 1: Aufsätze zur Theorie sozialer Systeme. Aufladen: Westdeutscher Verlag, 1970.
  • Soziologische Aufklärung, Band 2: Aufsätze zur Theorie der Gesellschaft. Aufladen: Westdeutscher Verlag, 1975.
  • Soziologische Aufklärung, Band 3: Soziales System, Gesellschaft, Organisation. Aufladen: Westdeutscher Verlag, 1981.
  • Soziologische Aufklärung, Band 4: Beiträge zur funktionalen Differenzierung der Gesellschaft. Aufladen: Westdeutscher Verlag, 1987.
  • Soziologische Aufklärung, Band 5: Konstruktivistische Perspektiven. Aufladen: Westdeutscher Verlag, 1990.
  • Soziologische Aufklärung, Band 6: Die Soziologie und der Mensch. Aufladen: Westdeutscher Verlag, 1995.
Gesellschaftsstruktur und Semantik
  • Gesellschaftsstruktur und Semantik, Studien zur Wissenssoziologie der modernen Gesellschaft, Band 1. Frankfurt am Main: Suhrkamp, ​​1980.
  • Gesellschaftsstruktur und Semantik, Studien zur Wissenssoziologie der modernen Gesellschaft, Band 2. Frankfurt am Main: Suhrkamp, ​​1981.
  • Gesellschaftsstruktur und Semantik, Studien zur Wissenssoziologie der modernen Gesellschaft, Band 3. Frankfurt am Main: Suhrkamp, ​​1989.
  • Gesellschaftsstruktur und Semantik, Studien zur Wissenssoziologie der modernen Gesellschaft, Band 4. Frankfurt am Main: Suhrkamp, ​​1995.
Andere einflussreiche (oft zitierte) Werke
  • Funktionen und Folgen formaler Organisation. Berlin: Duncker & Humblot, 1964.
  • verraten. Ein Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität. Stuttgart: Enke, 1968.
  • Zweckbegriff und Systemrationalität. Über die Funktion von Zwecken in sozialen Systemen. Tübingen: Mohr, 1968.
  • Legitimation durch Lackverf. Frankfurt am Main, Neuwied/Berlin: Luchterhand, 1969.
  • Theorie der Gesellschaft oder Sozialtechnologie - Was leistet die Systemforschung? (mit Jürgen Habermas). Frankfurt am Main: Suhrkamp, ​​1971.
  • Liebe als Leidenschaft. Zur Codierung von Intimitat. Frankfurt am Main: Suhrkamp, ​​1982.
  • Soziale Differenzierung. Zur Geschichte einer Idee (Hrsg.). Aufladen: Westdeutscher Verlag, 1985.
  • Ökologische Kommunikation. Kann sich die Gesellschaft auf ökologische Gefährdungen einstellen?. Aufladen: Westdeutscher Verlag, 1986.
  • Anerkennung als Konstruktion. Bern: Benteli, 1988.
  • Vernunft und Schweigen (mit Peter Fuchs). Frankfurt am Main: Suhrkamp, ​​1989.
  • Soziologie des Risikos. Berlin/New York: de Gruyter, 1991.
  • Beobachtungen der Moderne. Aufladen: Westdeutscher Verlag, 1992.
  • Die neuzeitlichen Wissenschaften und die Phänomenologie. Wien: Picus, 1996.
  • Die Realität der Massenmedien (2., erweiterte Auflage). Aufladen: Westdeutscher Verlag, 1996.
  • Protest. Systemtheorie und soziale Bewegungen. Frankfurt am Main: Suhrkamp, ​​1996.
  • Organisation und Entscheidung. Opladen/Wiesbaden: Westdeutscher Verlag, 2000.

Einführungen in Luhmanns Werk

Niederländisch sprechend
  • Rudi Laermans (Hrsg.), Sozialsysteme existieren, Eine Einführung in die Arbeit von Niklas Luhmann. Leuven: Acco, 1997. (Enthält spätere und manchmal erweiterte Versionen der Artikel aus der Sonderausgabe von Zeitschrift für Soziologie ab 1996; siehe unter Externe Links).
  • Tannelie Blom, Komplexität und Kontingenz. Eine kritische Einführung in die Soziologie von Niklas Luhmann. Kampen: Kok Agora, 1997.
  • Rudi Laermanns, Kommunikation ohne Menschen. Eine systemtheoretische Einführung in die Soziologie. Amsterdam: Boom, 1999.
  • Frank Huysmans, „Das Lebenswerk eines radikalen Erneuerers: die Gesellschaftstheorie von Niklas Luhmann“. Akademischer Buchführer, 75 (2009).
deutschsprachig
  • Georg Kneer & Armin Nassehi, Niklas Luhmanns Theorie Soziale Systeme. Eine Einfuhrung (2. Auflage). München: Fink, 1994 (1. Auflage 1993).
  • Detlef Krause, Luhmann-Lexikon. Eine Einfuhrung in das Gesamtwerk von Niklas Luhmann. Stuttgart: Enke, 1996.
  • Claudio Baraldi, Giancarlo Corsi & Elena Esposito, GLU. Glossar zu Niklas Luhmanns Theorie social systems. Frankfurt am Main: Suhrkamp, ​​1997.
  • Niklas Luhmann & Dirk Baecker, Einführung in die Systemtheorie. Heidelberg: Carl Auer Verlag, 2002.
  • Niklas Luhmann & Dirk Baecker, Einfuhrung in die Theorie der Gesellschaft. Heidelberg: Carl Auer Verlag, 2009.
Französisch
  • Danilo Martucelli, "Niklas Luhmann, la Kontingenz par la Differenzierung", in Danilo Martucelli, Soziologien der Moderne (S. 142-184). Paris: Gallimard, 1999.
  • Estelle Ferrarese, Niklas Luhmann, eine Einführung. Paris: Pocket la Découverte, 2007.
Englisch
  • Eva M. Knodt, 'Vorwort', in Niklas Luhmann, Soziale Systeme (S. ix-xxxvi). Stanford: Stanford University Press, 1995.
  • William Rasch, "Niklas Luhmanns Modernity. The Paradoxes of Differentiation". Stanford: Stanford University Press, 2000.
  • Alexander Riegler und Armin Scholl (Hrsg.) (2012) Luhmanns Verhältnis zu und Relevanz für konstruktivistische Ansätze. Konstruktivistische Grundlagen 8(1): 1–116, kostenlos erhältlich

Externe Links