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Wilhelm Dilthey (Wiesbaden-Biebrich, 19. November1833 - Seis am Schlern (Südtirol), 1. Oktober1911) war ein Deutscher Historiker, Psychologe, Erzieher, Soziologe und Philosoph. Er ist am besten bekannt als Vertreter der Hermeneutik und der Lebensphilosophie, Lebenseinstellung.
Dilthey hat Schleiermachers Lehre der Textinterpretation in eine allgemeine Methode der Geisteswissenschaften umgewandelt. Er bleibt dem Konzept des Verstehens als Rekonstruktion treu und drängt auf die Kohärenz von Erfahrung, Ausdruck und Verstehen. Wahr Immanuel Kant analysiert die Erfahrungen, die wissenschaftlichen Erkenntnissen zugrunde liegen, Dilthey will die Erfahrungen der Geisteswissenschaften analysieren. Die Erfahrungsstruktur ist nicht wie bei Kant zeitlos, sondern unterliegt historischen Veränderungen. Kulturelles Wissen setzt Dithey zufolge eine historische a priori. Dazu gehört neben dem Intellekt auch die wollen und das Gefühl.
Erfahrung sieht Dilthey als geisteswissenschaftliches Gegenstück zur naturwissenschaftlichen Erfahrung. Gegenstand und Objekt nicht zu trennen, die erlebte Realität ist immer irgendwie eine gelebte Realität, verbunden mit praktischen Zwecken und mit einer ästhetischen Wertschätzung. Erfahrungen bilden einen Zusammenhang, eine psychologische Struktur oder einen Erfahrungshorizont und sind inhärent mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verbunden. Erfahrungen haben eine dynamische Struktur, sie sind nicht rein persönlich. Ausgedrückte Erfahrungen prägen die gesamte historische Gesellschaftswelt (Moral, Recht, Staat, Religion, Kunst etc.). Permanente Äußerungen bilden den Handlungszusammenhang, den wir verstehen können, weil wir in einem Bereich der Gemeinschaftlichkeit aufwachsen.
Verstehen ist das Wiedererleben einer Erfahrung durch ihren Ausdruck. Das Verstehen bewegt sich von der Äußerung zur Bedeutung, von außen nach innen.
Verstehen ist eine Rekonstruktion von Bedeutung, die unseren eigenen Horizont erweitert. Dilthey will ein objektives Verständnis demonstrieren. Er verfolgt eine Wahrheit, die in der Entsprechung der Auslegung und des interpretierten Lebens besteht, und bleibt so treu das Korrespondenzmodell der Wahrheit.
Der Begriff der Objektivität hat für Dilthey in den Geisteswissenschaften eine andere Bedeutung als in den Naturwissenschaften. Ein Text ist eine unveränderliche, objektive Realität in den Geisteswissenschaften.
Wissenswertes
- Der russisch-schweizer Philosophphilosoph Anna Tumarkin forschte eine Zeitlang bei Wilhelm Dilthey in Berlin.[1]
Arbeiten
- 1971: Wilhelm Dilthey, Schriften für Pädagogik (Studentenausgabe). Besorgt von Hans-Hermann Groothoff und Ulrich Herrmann. Paderborn, Ferdinand Schöningh.
- 1981: Die Kritik der historischen Vernunft; (herausgegeben von: Michael Ermarth)
- 1988: Einführung in die Humanwissenschaften; (herausgegeben von: Ramon J. Betanzos)
- Ausgewählte Werke; (herausgegeben von: Rudolf A. Makkreel | Frithjof Rodi)
- Band I: Einführung in die Humanwissenschaften
- Band II: Unterschiedliche Gestaltungsweisen in Natur- und Humanwissenschaften
- Band III: Die Entstehung der historischen Welt in den Humanwissenschaften
- Band IV: Hermeneutik und Geschichtswissenschaft
Quellen, Anmerkungen und/oder Verweise
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