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Helmuth Karl Otto Gustav Bernhard Plessner (Wiesbaden, 4. September1892 – Göttingen, 12. Juni1985) war ein DeutschePhilosoph und Soziologe. Er hatte seine eigenen neukantianischen, phänomenologischen und lebensphilosophischen Ideen und emigrierte 1933-34 Adolf Hitler kam in Groningen an die Macht und schrieb ein wichtiges Buch über seine Sicht auf die NationalsozialismusEr wurde auch Professor und erhielt mehrere Ehrendoktorwürden, darunter 1964 die Ehrendoktorwürde der Universität Groningen.
Leben
Helmuth Plessner war das einzige Kind von Fedor Plessner und Elisabeth Eschmann. Seine Eltern betrieben ein privates Sanatorium für die nervösen in Wiesbaden; dies wurde ab etwa 1900 zu einem weltoffenen Kurort. Helmuths Vater war jüdisch und umgewandelt in die Luthertum. Er besuchte das Gymnasium und studierte Medizin. Dieses Studium schloss er jedoch nicht ab, weil er plötzlich ein Biologiestudium anfing, ein Studium, das er beendete.
Schon damals interessierte er sich sehr für Philosophie und Soziologie. Durch die Veröffentlichung einer philosophischen Studie verschaffte er sich Zugang zum Diskussionskreis der Max Weber. Dadurch lernte er auch viele andere Prominente kennen. In dem Erster Weltkrieg er wollte in die deutsche Armee eintreten, wurde aber wegen eines schwachen rechten Armes abgelehnt. Plessner beschloss, sein Philosophiestudium fortzusetzen.
Philosoph und Soziologe Max Scheler versuchte, Plessner unbedeutend zu halten, da er seine Stelle als Professor für Philosophie und Soziologie in Köln gefährdet sah. Darüber hinaus mögen Philosophen Heidegger mit ihren Büchern (Sein und Zeit) viel mehr Aufmerksamkeit. Sie überschatteten Plessners Arbeit. Dies geschah um 1928. Während der Weimarer Republik (1919-1933) wandte er sich gegen die radikalen Ideologien von links und rechts, Helmuth Plessner wollte unter anderem das Problem der Trennung von Körper und Geist lösen. Ihm zufolge ist ein Mensch gleichzeitig in sich und außerhalb, du bist und du hast einen Körper. Er nannte das Exzentrizität.
Dann Hitler 1933 an die Macht kam, bedeutete dies für Plessner, dass er keine Vorlesungen mehr halten durfte. Als „Halbjude“ wurde er von der Universität zu Köln verwiesen, wo er Professor werden sollte. Helmuth beschloss, in die Niederlande auszuwandern, wo der Psychologe Kauftendijk war schon lange einer seiner Freunde. Er wurde zunächst Privatdozent an der Universität und später Professor für Soziologie am eigens für ihn eingerichteten Soziologischen Institut Groningen. Finanziell war er jedoch noch nicht so breit aufgestellt.
Nun konnte er als Außenstehender durchaus Vorträge über die politische Situation in Deutschland halten, er schrieb auch ein Buch, das später in Deutschland ein großer Erfolg werden sollte: „Die verspätete Nation. über die politische Verführbarkeit bürgerlichen Geistes“. Darin analysiert Plessner, warum Deutschland als „zu spät entstandene Nation“ anfällig für Faschismus war.
Im Mai 1940 überfiel Deutschland die Niederlande. Die deutsche Besatzung bedeutete Plessner anfangs nicht viel. 1943 wurde er jedoch wegen seiner jüdischen Wurzeln wieder entlassen. Ein Nomadenleben begann entlang verschiedener Adressen in Utrecht und Amsterdam. Dabei wurde er vom studentischen Widerstand unterstützt. Nach dem Krieg wurde er wieder Professor (diesmal in Philosophie) in Groningen. Aber er bekam Heimweh und suchte wieder einen Job in Deutschland. 1951 wurde er zum Professor für Soziologie an die Universität berufen Göttingen. Dieses Amt übte er bis 1962 aus, wobei er auch verschiedene Verwaltungsfunktionen innehatte.
Außerdem hatte er im Jahr 2019 den Theodor-Heuss-Lehrstuhl für ein weiteres Jahr inne New York und hielt viel Kontakt mit den Niederlanden. 1963 zog er nach Zürich und schrieb Bücher bis ins hohe Alter. 1973 ging er zurück nach Göttingen. Dort lebte er weiter, bis er 1985 im Alter von 92 Jahren starb.
Philosophie
Plessner leistete wesentliche Beiträge zur philosophischen Anthropologie, politischen Philosophie und Soziologie. Er entwickelte eine philosophische Biologie und Anthropologie was auf eine biblische Erklärung der Natur hinausläuft. Im Die Stufen des Organischen und der Mensch (1928), eines der Hauptwerke der philosophischen Anthropologie, beschreibt Plessner den Menschen als ein Wesen, das durch seine exzentrische Position gekennzeichnet ist. Der Mensch stimmt nicht mit seinem Körper überein, sondern schaut gleichsam über die eigene Schulter auf das, was er tut. Menschen sind und haben einen Körper, von Plessner mit der Unterscheidung zwischen Leib sein und Körper haben. Diese Zwietracht macht den Menschen sich selbst fremd. Er ist nicht wie das Tier in der gegebenen Natur zu Hause, sondern muss sein Leben und seine Umgebung selbst gestalten. Auf der Suche nach einer Grundlage stürzt sich der Mensch in die Religion oder in eine Ideologie wie den Kommunismus, aber selbst diese können ihm keinen festen Boden bieten. Oder wie der Deutsche Helmut Lethen sagt: 'Der Mensch muss seine eigene Form finden, er muss den Begrenzungen in seinem Leben einen Sinn geben, anstatt sie als Mangel zu sehen.'
Laut dem Groninger Philosophen und Professor Lille Nauta, nach dem Krieg noch Student bei Plessner, tritt Plessner ein Die Verspätete Nation (1959) kehrt zu seinen anfänglich eher konservativen und antidemokratischen Ideen zurück und argumentiert gerade, dass der Mangel an demokratischer Tradition die Ursache für den Aufstieg des Faschismus sei. Nauta: „Demokratie ist eine Reihe von Praktiken, wie Gewaltenteilung und Meinungsfreiheit. Die Einführung des Stimmrechts allein reicht nicht aus. In Deutschland gab es kaum eine solche demokratische Tradition, daher hat es lange gedauert, bis daraus ein echter Staat werden konnte.“
Hier treffen Plessners Anthropologie und politische Philosophie aufeinander: Wie das Doppelverhältnis des Menschen zu seinem Körper gibt es auch ein Doppelverhältnis zum Staat, das der „Gemeinschaft“ und das der „Gesellschaft“. Das eine kann ohne das andere nicht existieren, die Institutionen der Gesellschaft müssen die Bedingungen für die Entwicklung des Einzelnen schaffen, aber diese Institutionen funktionieren nicht ohne Zugehörigkeit.
Arbeiten
- Die auslöschende Idee, ein Entwurf über ihre Form (Heidelberg: Winter, 1913). [Verschmelzte Schriften, geb. 1.]
- Krise der transzendentalen Sprachen Wahrheit im Anfang (Heidelberg: Winter, 1918). [Verschmelzte Schriften, geb. 1.]
- Untersuchungen zu einer Kritik der philosophischen Urteilskraft (1920). Erstveröffentlichung in: Verschmelzte Schriften, geb. 2.
- Die Einheit der Sinne. Grundlinien einer sthesiologie des Geistes (Bonn: Cohen, 1923. Bonn: Bouvier, 1965, 2. Auflage). [Verschmelzte Schriften, geb. 3.]
- Grenzen der Gemeinde. Eine Kritik des sozialen Radikalismus (Bonn: Cohen: 1924. Bonn: Bouvier, 1972, 2. Auflage). [Verschmelzte Schriften, geb. 4.]
- Die Stufen des Organischen und der Mensch. Einleitung in die philosophische Anthropologie (Berlin: De Gruyter, 1928. 3. Auflage 1975). [Verschmelzte Schriften, geb. 5.]
- Macht und menschliche Natur. Ein Versuch zur Anthropologie der Schichtlichen Weltansicht (Berlin: Junker & Dünnhaupt, 1931 [Fachschriften zur Politik und Staatsbürgerlichen Erziehung. Nr. 3.]) Auch in: Schweizer Philosophie und Gesellschaft (Bern/München: Francke, 1953). [Verschmelzte Schriften, geb. 5.]
- Das Schicksal des deutschen Geistes im Ausgang seiner bürgerlichen Epoche (Zürich/Leipzig: Niehans, 1935. Stuttgart: Kohlhammer, 1969, 5. Auflage. [Seit der 2. Auflage 1959 unter dem Obertitel: Die Verspätete Nation]. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1974. [Verschmelzte Schriften, geb. 6.]
- Das aktuelle Verhältnis von Krieg und Frieden, Antrittsrede 28. Oktober 1939
- Lachen und Weinen. Eine Untersuchung nach den Grenzen menschlichen Verhaltens (Bern: Francke, 1941. Frankfurt am Main: Fischer, 1970, 4. Auflage). [Verschmelzte Schriften, geb. 7.] Lachen und weinen, Utrecht: Das Spektrum, 1965
- Gibt es Fortschritte in der Philosophie? (1946). Groningen: Wolters, 1946
- Debatte über Deutschland, mit Hendrik J. Pos (1947). Amsterdam: Freie Niederlande, 1947
- Zur Anthropologie des Schauspielers (1948).
- Schweizer Philosophie und Gesellschaft. Ausgewählte Abhandlungen und Vorträge. (Bern/München: Francke, 1953. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1979).
- Das Lächeln (1950).
- Die Verspätete Nation. ber die politische Verführbarkeit bürgerlichen Geistes (1959, ursprünglich 1935 unter dem Titel: Das Schicksal des deutschen Geistes im Ausgang seiner bürgerlichen Epoche).
- Menschlicher Zustand. Im: Propyläen Weltgeschichte. bd. 1 [Einleitung] (Berlin [usw.]: Propyläen, 1961. Pfullingen: Neske, 1964 [Opuscula 14]. Frankfurt am Main: Suhrkamp: 1976). Wie der Mensch existieren kann: Eine Einführung in die philosophische Anthropologie. Alphen a/d Rijn: Samsom, 1978.
- Die Emanzipation der Macht (1962).
- Diesseits der Utopie. Ausgewählte Beiträge zur Kultursoziologie (Düsseldorf: Diederichs, 1966. Frankfurt am Main: Suhrkamp: 1974).
- Anthropologie der Sinne (1970).
- Philosophische Anthropologie. Lachen und Weinen. Das Lächeln. Frau von Günter Dux (Frankfurt am Main: Fischer, 1970).
- Bei anderen Augen. Aspekte einer philosophischen Anthropologie (Stuttgart: Philipp Reclam Jun., 1982; Neuauflage 2009).
- Philosophischer Wegweiser: Korrespondenz mit F.J.J. Kauftendijk, geliefert von Henk Struyker Boudier. Zeist: Kerckebosch, 1993
Verweise
- Kai Haucke: Plessner zur Einfuhrung, Hamburg: Junius, 2000, ISBN 3-88506-326-3
- Petran Kockelkoren: "Die Maus in den Katzenkrallen". In: W. Zweers & J.J. Boersema (Hrsg.): Ökologie, Technologie und Kultur. Cambridge: Weißes Pferd, 1994. ISBN 187426712X
- Carol Dietze: Nachthöhlen Leben. Helmuth Plessner 1892-1985. Göttingen: Wallstein, 2006. ISBN 9783835300781 . Niederländische Übersetzung: Helmuth Plessner, Leben und Werk. Mit einer Einführung von Jos de Mul. Übersetzt von Marten de Vries. Rotterdam: Lemniskate, 2015. ISBN 9789047704362