WikiDer > Karl Valentino
Karl Valentino (München, 4. Juni1882 — Planegg, 9. Februar1948), Künstlername von Valentin Ludwig Fey, war ein BayerischKomiker, Schriftsteller und Regisseur, was für die von großer Bedeutung war ExpressionistKabarett und war sehr bekannt für seine äußerst gründlichen Sprachexperimente. Er war unter anderem ein persönlicher Freund von Bertolt Brecht.
Werdegang
Valentin ist aufgewachsen Au-Haidhausen als Einzelkind nach dem Tod seiner Geschwister. Sein Vater besaß die Spedition Falk & Fey. Eine besonders unangenehme Zeit hat er im Volksschule und absolvierte eine Ausbildung in der Tischlerei. 1911 heiratete er seine Zofe Gisela Royes, mit der er zwei Kinder hatte.
Ab 1902 begann Valentin Fey als Karl Valentin im Varietés aufführen. Im selben Jahr starb sein Vater und er übernahm mit seiner Mutter die Leitung des elterlichen Unternehmens, das jedoch bereits 1906 in Konkurs ging. Dann gingen die beiden zu Sachsen, wo der Bayer Valentin mit anderen Dialekten in Kontakt kam, was zu einer wichtigen Inspirationsquelle für sein künstlerisches Schaffen wurde. Er unternahm eine Tournee durch mehrere Städte, die ihm keinen Erfolg brachte, woraufhin er 1908 nach München zurückkehrte. In dieser Zeit begann er seinen eigenen Stil zu entwickeln, der sich durch eine äußerst ausdrucksstarke, verdrehte Körperhaltung auszeichnete, in der ihm seine große, schlanke Figur gut stand. Sein erstes Monolog, Das AquariumEr zeigte die neue Richtung, die er eingeschlagen hatte: Von da an beherrschte er das Absurde Wortspiele, Ironie und experimentiert mit den Grenzen von Sprache und Verstehen.
Ab 1911 trat Valentin zusammen mit Elisabeth Wellano auf, deren Künstlername Liesl Karlstadt angekündigt, als Hommage an Karl Maxstadt. Sie wurden feste Partner auf der Bühne (und vermutlich auch darüber hinaus). 1912 wurde Valentin zum Pionier des neuen Mediums Film. Er richtete sein eigenes Tonstudio in München ein und produzierte rund 40 Stummfilme, Valentinstag erwähnt, in dem er einen surrealistischen Stil entwickelte, der später auch von Charlie Chaplin würde geübt werden.
Während der Erster Weltkrieg spielte Valentin, der als Asthmatiker des Wehrpflicht verändert, seine Volksrevue prickelnde Zange; ab 1915 war er Direktor des Kabaretts Wien-München. Sein Kommentar zum Krieg war stets beschönigend und optimistisch. 1922 arbeitete er mit seinem Freund Bertolt Brecht, der ihn aufrichtig bewunderte, an einer Parodie auf sein Stück Trommeln in der Nacht. Brecht und Erich Engel lief den Film Mysterien eines Frisier salons, mit Valentin, Karlstadt und Blandine Ebinger. 1932 spielte er in Max Ophulsʼ Verfilmung von Bedrich Smetanas Oper Diese ausverkaufte Braut, seine erste Rolle in einem Sprechfilm.
1923 und 1924 trat Valentin beien Zürich und Wien an, und bis 1938 regelmäßig auch in Berlin. 1931 besaß er ein eigenes Theater in München, musste es aber nach acht Wochen wegen eines Konflikts mit der Feuerwehr wieder schließen. Er eröffnete 1934 mit Liesl Karstadt a Panoptikum für Unsinn, die bald in Konkurs ging, ebenso wie ein zweiter Versuch im Jahr 1935, der das Finanzfiasko beendete und ihre beiden Ersparnisse vollständig einbrachen. Der dritte Versuch, der Lächelnkeller, war auch nicht sehr erfolgreich. Eine Besonderheit dieser Panoptik war jedoch ihre Kollektion grüne Briefmarken, die Valentin einen Ruf als Philatelist ergab. Vielleicht war das aber eher ein Scherz, Grün in der Philatelie ist keine Sammelkategorie und Valentin außerdem Farbenblind früher gewesen. Im Jahr 1936 drehte sich Jacob Geis der Film Die Erbschaft, mit Valentin und Karlstadt in den Hauptrollen, die aber wegen der Nazi-ʼs wurde gesperrt, weil er Elendstendenzen (Tendenzen des Elends).
In dem Drittes Reich Valentin erlaubte sich, über die NS-Firma zu scherzen, kam aber nie bis zur Verhaftung. Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, schrieb er unpolitische Beiträge für die voor Münchner Feldpost. Mit seiner neuen Geliebten Annemarie Fischer eröffnete er die he Ritterspelunke, schloss sie aber 1940 wieder. 1941 zog er mit seiner Familie nach Planegg, nach ihrem Haus in a Bombardierung war zerstört worden. Von da an, bis 1947, trat er nicht mehr auf.
Ab 1947 trat er wieder bei Liesl Karstadt auf, konnte aber nicht mehr an den früheren Erfolg anknüpfen. Er starb an Rosenmontag 1948 bis a Lungenentzündung, nachdem er nachts versehentlich in einem Theater eingesperrt wurde. Valentin war ein Hypochonder, die behauptete, 88 Ärzte konsultiert zu haben und sich freiwillig für medizinische Experimente gemeldet zu haben.
Seine Sammlung Foto's landete 1938 im Münchner Stadtarchiv. Passen Sie in die 60er Jahre seine Arbeit rückte wieder ins Rampenlicht.
Charakterisierung
Valentins Theater- und Schreibstil fällt wie Dadaist zu typisieren. Er benutzt oft feste Redewendungen, die er dann neu interpretiert oder wörtlich nimmt und damit die Logik herausfordert. Der absurde Humor war oft sprachlich inspiriert, wie in den Dialogen Semmelknödeln, das sich über die deutsche Grammatik lustig macht. Dieses Ausloten der Grenzen des menschlichen Verstehens durch die Sprache hat Anklänge an die letzten Wittgenstein (Bachmaier 1993: 99). Zu seinen Bewunderern gehörten Kurt Tucholsky und Carl Zuckmayer.
Seine eigenwillige Sprache hat einige bekannte Ausdrücke hinterlassen, wie das sprichwörtliche Buchbinder Wanninger. Auch der ironische Ausdruck Hätte ich gerne, aber ich verdurste nicht stammt von Valentin ab.
Arbeiten
Kurzfilme
- Karl Valentins Hochzeit (1912 oder 1913)
- Diese lüsternen Vagabunden (1912)
- Der neue Schreibtisch (1913 oder 1914)
- Die Schönheitskonkurrenz oder: The Urteil of Paris (1921)
- Der entflohene Hauptdarsteller (1921)
- Mysterien eines Frisiersalons (1923)
- Auf dem Oktoberfest (1923)
- Der Feuerwehrtrompeter (1929)
- Im Fotostudio (1932)
- Orchestersonde (1933)
- Die Zithervirtuose (1934)
- Asche knallt (1934)
- Der hexte Scheinwerfer (1934)
- Im Schallplattenladen (1934)
- Der Theaterbesuch (1934)
- Also ein Theater! (1934)
- Der Festling (1934)
- Musik zu zwien (1936)
- Die Erbschaft (1936)
- Straßenmusik (1936)
- Ein Verhängnisvols Geigensolo (1936)
- Die Karierte Weste (1936)
- Beim Rechtsanwalt (1936)
- Kalte Füße/Beim Nervenarzt (1936)
- Der Bittsteller (1936)
- Ewig Dein (1937)
- Selbst Valentin macht mit (Werbefilm für die Deutsche Sparkasse; 1937 oder 1938)
- Nur nicht drängeln (Werbefilm für die Deutsche Sparkasse; 1937 oder 1938)
- München (1938)
- Der Antennendraht/Im Senderaum (1938)
- In der Apotheke (1941)
Filme
- Der Sonderling (1929)
- Diese ausverkaufte Braut (1932)
- Kirschen in Nachbars Garten (1935)
- Donner, Blitz und Sonnenschein (1936)
Hörspiele (Auswahl)
- Buchbinder Wanninger
- Radfahrer und Verkehrsschutzmann
- Der Trompeter von Säckingen
- die Brille
- Das Aquarium
- Der Ententraum
- Der Hutladen
- Der Schafflertanz
- Der verlorene brillante Ring
- Die strege Zeitung
- Der Notenwart
- Der neue Buchhalter
- Das Brillantfeuerwerk
- Semmelknödeln
- Der Spritzbrunnenaufdreher
Quellen, Anmerkungen und/oder Verweise
|