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Peter Huchel (Lichterfelde Biene Berlin, 03.04.1903 - Staufen im Breisgau, 30. April 1981), geboren als Helmut Huchel, war a Deutsche Dichter und Herausgeber. Das Peter-Huchel-Preis, ein jährlicher Literaturpreis, ist nach ihm benannt.
Gedicht (Fragment)
Havelnacht[1]
Hinter den verblichenen Schlössern,
nur durch den lauten Sprung der Fische,
Schwimmsterne in den Fallen,
die Algendämmerung lebt.
Lebt die Weichheit im Wasser,
grün im Mond, unvergilbt,
Nachts flüstern die Büsche dünn,
das Schilf raschelt, ein Vogel zwitschert.
[......]
Dunst aus so vielen vergangenen Jahren
schmeichelt sich hier im Wasser.
Wenn wir lautlos dahin segeln,
der Zug der Nacht weht durch uns hindurch.
Die grünen Sterne schweben
tropft unter das Ruder.
Und der Wind, der unser Leben wiegt,
wie er Schilf und Wiese schaukelt.
Arbeiten
Gedichte
- Gedicht. Aufbau, Berlin 1948 (Lizenzausgabe: Stahlberg, Karlsruhe 1950).
- Chausen, Chausen. Gedicht. Fischer, Frankfurt am Main 1963.
- Die Sternenreuse. Gedicht 1925-1947. Piper, München 1967.
- Gezählte Tage. Gedicht. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1972.
- Die neunte Stunde. Gedicht. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1979.
- Gesammelte Werke in zwei Bands. Band 1: Dieses Gedicht. Band 2: Fehlende Schriften. Herausgegeben und erläutert von Axel Vieregg. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1984.
- Auf wiedersehen sagen. Ein Lesebuch. Gedichte und Prosa, mit Grafiken und Interpretationen sowie Stimmen zu Huchel. Ausgewählt und herausgegeben von Axel Vieregg. Märkischer Verlag, Wilhelmshorst 1999, ISBN 3-931329-01-1 .
- Langsam dreht sich das Jahr ins Licht. Jahreszeitliche Gedichte aus der Mark Brandenburg/Peter Huchel, mit Fotografie von Sabine Breithor. Ausgewählt und herausgegeben von Axel Vieregg. Märkischer Verlag, Wilhelmshorst 2003, ISBN 3-931329-25-9 .
- Poesiealbum 277: Peter Huchel. Auswahl Bernd Jentzsch. 2007. 2. erweiterte Auflage: Auswahl Axel Vieregg. 2009, ISBN 978-3-931329-77-8 .
Briefe
- Johannes Bobrowski/Peter Huchel: Briefwechsel. Mit einem Nachwort und Anmerkungen herausgegeben von Eberhard Haufe. Deutsches Literaturarchiv Marbach am Neckar 1993, ISBN 3-7681-9998-3 .
- Bernd Goldmann (Hrsg.): Hans Henny Jahnn/Peter Huchel: Ein Briefwechsel 1951–1959. Haase und Köhler, Mainz 1975 (= Mainzer Reihe 40), ISBN 3-7758-0881-7 .
- Wer soll Mann da Gedichte schreiben. Kurzfassung 1925–1977. Frau Hub Nijssen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-518-41157-8 .
Arbeit in niederländischer Übersetzung (Antiquariat)
- Peter Huchel, Gespräch mit der Stille. Gedichte, (Übersetzung: Germain Droogenbroodt), Meerbeke-Ninove, Point, 1992.
- Peter Huchel, Keine Antwort, (Übersetzung: J. Bernlef), Amsterdam, Querido, 1985.
- Peter Huchel, Regen auf dem Eis. Gedichte, 1984.
- Peter Huchel, Unter der blassen Spitzhacke des Mondes, (Übersetzung: Joris Paridon (Pseudonym von Gerrit Komrij)), De Slofpers, 1978.
Bilder der inspirierenden Landschaft


Biografie
Eine Biographie von Peter Huchel liest sich als „deutsches Schicksal“ aus dem 20. Jahrhundert: Geboren und aufgewachsen ist er im Deutsches Kaiserreich; sein Bruder wurde im Ersten Weltkrieg getötet; er beteiligte sich an der extremen Rechten Kapp-Putsch gegen den Passpass Weimarer Republik; wurde verletzt und erholte sich nicht nur von seiner Verletzung im Krankenhaus, sondern änderte durch Gespräche mit dort anwesenden verletzten Gegnern auch seine politische Einstellung. Doch seitdem war er in erster Linie Dichter, kein Politiker oder Soldat. Während der Drittes Reich er fuhr bis zu seiner Mobilmachung auf nicht-ideologische Weise fort.[2] Nach dem Zweiter Weltkrieg hat er gearbeitet? Ost-Deutschland wieder unideologisch und schaffte es, eine der führenden deutschen Literaturzeitschriften in Ost-Berlin herauszugeben. Bis 1962. Sein Mangel an politischer Haltung führte zu seiner Entlassung, Hausarrest und schließlich 1971 zur Deportation in die Bundesrepublik. Ab seinem fünfzehnten Lebensjahr schrieb er Gedichte, vor allem über die Natur in der (mark)brandenburgischen Region, aber auch über seine Kriegserlebnisse. Diese werden immer noch viel gelesen.[3]
Huchel wuchs in Kleinstädten wie Lichterfelde (heute zu Berlin) und Potsdam auf. Seine Eltern schickten ihn oft langfristig zu seinen Großeltern nach Alt-Langerwisch. Sein Aufenthalt dort hat seine Poesie stark beeinflusst. Die Präsenz der Natur und das Interesse seines Großvaters an Geschichten aus der populären Weltliteratur weckten sein literarisches Talent.
Von 1923 bis 1926 studierte er Literatur und Philosophie in Berlin, Freiburg im Breisgau und Wien. In den Jahren 1927 bis 1930 besuchte er Frankreich, Rumänien, Ungarn und die Türkei.
1930, in dem Jahr, in dem er auch den Vornamen Peter annahm, freundete er sich an Ernst Bloch, Alfred Kantorowicz und Fritz Sternberg. Bevor er sich 1931 in der Künstlerkolonie Berlin am Laubenheimer Platz niederließ, lebte er zeitweise bei Kantorowicz und Sternberg. Das lyrische Frühwerk entstand in der Zeit von 1930 bis 1936, die stark von der Brandenburgischen Landschaft geprägt war Die literarische Welt, Das Innere Reich, diese Spalte und Vossische Zeitung. 1931 veröffentlichte er die Prosastudie Im Jahr 1930 über einen kleinbürgerlichen nationalsozialistischen Anhänger. Im selben Jahr lernte er Günter Eich kennt. 1934 heiratete er Dora Lassel, von der er sich 1946 wieder scheiden ließ.
Von 1934 bis 1940 arbeitete er als Hörspielautor unter anderem für den Rijkszender Berlin und den deutschen Kurzwellensender. In Hörspielen wie Der Magd und die Arten (1935) und Margarethe Minde (1939) bewies seine Fähigkeit, politische Aussagen zwischen den Zeilen zu treffen. Seit 1941 diente er in der Flugabwehr der deutschen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg. 1945 geriet er in russische Kriegsgefangenschaft bei Berlin.
Nach einer Ausbildung an der Antifaschistischen Schule Rüdersdorf begann Huchel 1945 als Dramaturg und persönlicher Referent des Stationsleiters an der ostdeutsch Radiosender (ab 1949 Rundfunk der DDR). 1946 wurde er Chefdramaturg, 1947 Rundfunkleiter und schließlich künstlerischer Leiter. Sein 1948 erschienenes Werk nach 1925 zeigt den Kontrast zwischen der Idylle der Kindheit und den Kriegserfahrungen.
1949 wurde Huchel Mitglied des P.E.N. Center Germany. Im selben Jahr wurde er Chefredakteur der von Johannes R. Becher und Paul Wiegler gegründeten Literaturzeitschrift Sinn und Form der Deutschen Akademie der Künste in Ost-Berlin, der er von 1952 bis 1971 angehörte. 1951 erhielt er den Staatspreis der DDR. 1953 heiratete er Monica Rosenthal. 1956 vertrat er die DDR auf der Poesie-Biennale in Knokke, nicht so sehr, weil er aus der DDR stammte, sondern weil er als einer der größten Poesiekenner in Europa galt.
Seit den frühen 1950er Jahren ist Huchel mit seinen systemübergreifenden künstlerischen Konzepten mit der Zeitschrift verbunden Sinn und Form angegriffen. Die offizielle Absicht war, Huchel 1953 aus seiner Redaktion zu entlassen, was nur durch die Intervention von Bertolt Brecht verhindert werden konnte. Als nach Brechts Tod 1956 die Angriffe auf Huchel wieder zunahmen und seine Arbeit zunehmend behindert wurde, wurde er 1962 schließlich gezwungen, Sinn und Form zum Rücktritt: Nach dem Bau der Berliner Mauer war ein kultureller Brückenbauer, wie er war, unerwünscht.
1963 erhielt er den Fontane-Preis für den im selben Jahr im westdeutschen Fischer Verlag erschienenen Gedichtband Chausseen, Chauseen. Weil er diesen westdeutschen Preis nicht ablehnte, durfte er in der DDR nicht mehr publizieren und wurde praktisch unter Hausarrest gestellt. So konnte er zum Beispiel 1965 weder ein Angebot für einen Lehrstuhl für Poesie an der Universität Frankfurt (am Main) annehmen, noch 1968 den großen Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen entgegennehmen. Auch die an ihn adressierte Post wurde beschlagnahmt. Diese Behinderungen durch das Stasi-System, die sein Dichterleben untergraben, werden von Huchel in seinen Gedichten eindrucksvoll beschrieben. Erst nach Intervention der West-Berliner Akademie der Künste, dem Präsidenten des Internationalen PEN-Zentrums und Heinrich Böll, erhielt Huchel 1971 die Erlaubnis, die DDR zu verlassen und verließ seine Heimat Wilhelmshorst endgültig.
Anschließend lebte er auf Einladung zunächst in der Villa Massimo in Rom und ließ sich dann in Staufen im Breisgau nieder. 1972 veröffentlichte er den Gedichtband Gezählte Tage mit Arbeiten seit 1963.
Tribut
- 1932 Poesiepreis der Literaturzeitschrift diese Spalte
- 1963 Fontane-Preis für Chausen, Chausen. Gedicht
- 1968 Wolf Biermann ehrt Peter Huchel 1968 mit seinem Gedicht Förderung
- 1972 Österreichischer Staatspreis für Europäische Literatur
- 1974 Andreas-Gryphius-Preis-
- 1974 Lessing-Ring gemeinsam mit dem Literaturpreis der Deutschen Freimaurer
- 1976 Aufnahme in den Orden Pour le mérite für Wissenschaft und Kunst
- 1976 Europalia-Preis
- 1979 Jacob-Burckhardt-Preis der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Stiftung in Basel
- 1979 Eichendorff-Literaturpreis
- 1979 Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste
- 1979 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Liedtexte
1984 wurde die Peter-Huchel-Preis, ein jährlicher Literaturpreis des Landes Baden-Württemberg und des Südwestrundfunks. In Berlin-Hellersdorf, Wilhelmshorst, Potsdam und Staufen sind die Straßen nach ihm benannt. In seinem ehemaligen Wohnhaus in Wilhelmshorst wurde ihm ein Denkmal errichtet.
Joseph Brodsky In seiner Eröffnungsrede zur ersten Buchmesse in Turin am 18. Mai 1988 erwähnte Peter Huchel in einem Atemzug mit Rainer Maria Rilke, Georg Trakl, Ingeborg Bachmann und Gottfried Benno als Dichter aus dem deutschsprachigen Raum, die er empfiehlt.[4]
Quellen, Anmerkungen und/oder Verweise
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