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Michel Simon
Michel Simon
Allgemeine Information
Vollständiger NameFrancois Joseph Simon
GeborenGenf, 9. April1895
VerstorbenBry-sur-Marne, 30. Mai1975
LandSchweiz
Arbeit
aktive Jahre1920 - 1975
BerufDarsteller
(und) IMDb-Profil
Portal  Portalsymbol  Film

Francois Joseph Simon, richtiger Name von Michel Simon (Genf, 9. April1895 - Bry-sur-Marne, 30. Mai1975) war ein französischsprachiger Schweizer Bühnen- und Filmschauspieler, einer der Monster Sacrés des französischen Kinos. Zwischen 1920 und 1975 spielte er etwa hundert Filmrollen und trat in 55 Theaterstücken auf.

Er war der Vater des Schauspielers François Simon.

Biografie

Herkunft und frühe Jahre

Michel Simon wurde geboren in Genf wo sein Vater Speckmetzger war. Sein Studium dauerte nicht lange und er verließ seine Familie, um zu gehen Paris ziehen. Er übte die unterschiedlichsten Berufe aus und verschlang inzwischen alle Bücher, die er in die Finger bekam. Seine ersten Schritte in der Unterhaltungswelt waren sehr bescheiden: Rollen eines Clowns und eines Akrobaten in einer Tanznummer, Assistent eines Zauberers.

Bühnendebüt

Wenn der Erster Weltkrieg brach aus, er musste zurückkehren Schweiz Soldat zu werden. 1915, bei einem seiner Engagements, sah er den armenischen Schauspieler und späteren Regisseur Georges Pitoeff sein französischsprachiges Bühnendebüt in Genf, der Stadt, in der sich die Familie Pitoëff niedergelassen hatte. Er war so beeindruckt, dass er beschloss, auch Schauspieler zu werden. 1916 heiratete er Yvonne Tyter, die ihm einen Sohn, den späteren Schauspieler François Simon, schenkte. Die Ehe hielt bis 1919. Erst im Oktober 1920 gelang es ihm, in Pitoëffs Theatergruppe einzutreten. Er durfte sein Debüt geben in Maß für Maß von William Shakespeare.

1922 zog die Theatergruppe in die to Theater des Champs-Elysées in der französischen Hauptstadt. In Paris spielte er in Stücken großer Autoren sowie in George Bernard Shaw, Luigi Pirandello und Maksim Gorkiwie in Musikkomödien. Er war auch auf der Boulevardbühne zu finden, in Varietés unter anderem Tristan Bernard und Marcel Achard.

Anschließend wurde er rekrutiert von Louis Jouvet, der 1924 die Nachfolge von Pitoëff an der Spitze des Théâtre des Champs-Élysées angetreten hatte. Unter der Regie von Jouvet gelang ihm schließlich 1929 der Durchbruch mit seiner Rolle im neuen Stück Jean de la Lune von Marcel Achard. Seiner ersten Berufung blieb Simon zeitlebens treu, aber das Kino sollte ihn sehr populär machen.

Filmdebüt im Stummfilm

Auf der großen Leinwand debütierte er fast zeitgleich 1925 in zwei Filmen: in dem Roman von Pirandello basierendes Drama Feu Mathias Pascal (Marcel L'Herbier) und in einem in der Schweiz gedrehten Film die Komödie La Vocation d'Andre Carel (Jean Choux). Seine große Ausdruckskraft und seine besondere körperliche Erscheinung, insbesondere sein seltsames Gesicht, fielen sofort auf. Bemerkenswerte Stummfilme aus dieser Zeit waren auch La Passion de Jeanne d'Arc (1928) vom dänischen Großmeister Carl Theodor Dreyer und die Komödie Reifen-au-Flanc (1928), seine erste Zusammenarbeit mit Jean Renoir.

Glänzende und produktive 1930er Jahre

Es ist Marcel L'Herbier der ihm seine erste Rolle in einer Rede gab: L'Enfant de l'amour (1929). Nun stach neben seiner körperlichen Erscheinung auch sein unnachahmliches Stimm-Timbre und seine tadellose Aussprache hervor. Dann drehte er in den 1930er Jahren einen Film nach dem anderen. Es wurde seine produktivste und glorreichste Zeit. Er spielte meisterhaft Rollen in Filmen, die damals missverstanden wurden, aber später zu Klassikern wie der anarchistischen Komödie wurden Boudu Sauve des Eaux (Jean Renoir, 1932) und die Tragikomödie L'Atalante, der einzige Spielfilm (und letzter Film) von Kameramann mauditJean Vigo (1934). Er lieferte auch solide Schauspielerei in der Komödie Drôle de drama (1937) und in der Tragödie des Schicksals Le Quai des Brumes (1938), zwei frühe Filme von Marcel Carne. Er war auch der Ehemann, der getötet werden sollte Le Dernier Tournant (Pierre Chenal, 1939), die erste Verfilmung des berühmten Romans Wenn der Postmann zweimal klingelt von James M. Cain. Erwähnenswert sind auch zwei Filme, die im Milieu des Schauspielers spielten: die spannende Sittenkomödie Le Mort en Fuite (1936) und das Drama La fin du jour (Julien Duvivier, 1939). Daneben spielte er damals aber auch eine große Rolle in einer Reihe von weniger hochwertigen, heute weitgehend vergessenen Filmen.

Ruhige Vierziger

In den 1940er Jahren war Simon in deutlich weniger Filmen zu sehen. Bemerkenswert in dieser Zeit waren die Verfilmungen nach Werken von u.a.: Emile Zolac (Au Bonheur des Dames, einer ihrer allerersten Filme André Cayatte, 1943), Honoré de Balzac (Vautrin, 1944) und Georges Simenon (im Panik er spielte einen sehr zweideutigen Charakter, etwas, das er liebte und gut machte). Erwähnenswert waren auch seine Hauptrollen in der Tragikomödie Nicht koppelbar (Henri Decoin, 1947), in dem er ein erstaunliches und verstörendes Porträt eines alkoholkranken Arztes präsentierte und in der italienischen Sandalen FilmFabiola (Alessandro Blasetti, 1949).

Fruchtbare Fünfziger

Die 50er Jahre waren wieder sehr fruchtbar. Trotz einer jahrelangen Vergiftung war er in rund dreißig Filmen zu sehen. Mit der Tragikomödie fing das Jahrzehnt gut an La Beauty du Diable (René Claire, 1950), bei dem er auf der Seite stand Gerard Philipe gab dem Alten Form Faust und weiter Mephistopheles. In der schwarzen Tragikomödie La Gift (Sacha Guitry, 1951) spielte er einen Mann, der plante, seine Frau zu töten. Dazu befragte er einen auf die Entlastung von Mördern spezialisierten Anwalt, wie man einen Mord „sicher“ begeht. Danach spielte er weiterhin die unterschiedlichsten Hauptrollen in zahlreichen (Tragi-)Komödien und Dramen.

Spätere Karriere

Ab den sechziger Jahren trat er in den Filmen, an denen er noch mitwirkte, mehr in den Hintergrund. 1966 gelang ihm mit dem ersten Film von . ein bewegendes Comeback Claude Berric, die autobiografische Tragikomödie Le Vieil homme et l'Enfant (1966), in dem er die Rolle des Pépé übernahm, eines mürrischen ehemaligen Kämpfers und Antisemiten, der während der deutschen Besatzung einen jüdischen Jungen betreuen musste. Danach spielte er noch einige patriarchalische Rollen, wie zum Beispiel in dem erstaunlichen Drama Blanche (1971) von Kultregisseur Walerian Borowczyk sich mit der Rolle eines anarchistischen Clochard in der Komödie würdevoll verabschieden L'ibis Rouge (Jean-Pierre Mocky, 1975).

Michel Simon starb 1975 im Alter von 80 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts.

Filmografie

Spielfilme (Auswahl)

Fernsehen

  • 1960: Boubouroche (Stellio Lorenzi)
  • 1964: Cinema de notre temps: Jean Vigo, Dokumentarfilm
  • 1965: Sechs Komödien ohne Charakter (Jean-Emile Jeannesson)
  • 1965: Cinema de notre temps: Sacha Guitry, Dokumentarfilm
  • 1966: la nuit écoute (Claude Santelli)
  • 1966: Cinema de notre temps : Portrait de Michel Simon von Jean Renoir oder Portrait de Jean Renoir von Michel Simon, Dokumentarfilm von Jacques Rivette
  • 1968: Du guy dance class Filialen de Sassafras (Jacques Duhen)
  • 1969: Cinema de notre temps: René Clair, Dokumentarfilm
  • 1973: Bienvenu à Michel Simon, Dokumentarfilm
  • 1974: Histoire du cinema français par ceux qui l'on fait, Dokumentarfilm
  • 1995: Michel Simon, Dokumentarfilm

Bühne (Auswahl)

Preise

Literaturverzeichnis

  • Paul Guth: Michel Simon, Paris, Calmann-Levy, 1951
  • Freddy Buache: Michel Simon : Ein Schauspieler und Charaktere, Biel, Ed. du Panorama, 1962
  • Jacques Fansten: Michel Simon, Paris, Seghers, 1970
  • Claude Gauteur, André Bernard: Michel Simon, Paris, PAC, 1975
  • Jeanne Carre: 728 Tage vor Michel Simon, Paris, Frankreich-Imperium, 1978
  • Christian Plume, Xavier Pasquini: Michel Simon, Nizza, Lefeuvre, 1981
  • Jean-Marc Loubier: Michel Simon oder der Roman d'un jouisseur, Paris, Ramsay, 1989
  • Freddy Buache: Michel Simon: 1895-1975, Genf, Promo Edition, 1993
  • Michel Simon: François Simon, Schauspieler: Falstaff et Hamlet, Genf, Georg, 1992
  • André Klopmann: Michel Simon, Genf, Slatkine, 1993
  • Hommage an Michel Simon : Un demi-siècle de cinéma, Pontarlier, CERF, 2000 (gemeinsame Arbeit)
  • Francois Billard: Lumiere sur Michel Simon, Marseille, Via Valeriano, 2003
  • Gregory Catella, Michele Dell'Ambrogio: La vocazione di Michel Simon, Bellinzona, Circolo del Cinema Bellinzona, 2003
  • Jacques Lorcey: Michel Simon: Ein heiliges Monster, Paris, Seguier, 2003
  • Claude Gauteur: Michel Simon, Monaco, Hrsg. du Rocher, 2005 (Neuauflage)
  • Gwenaëlle Le Gras: Michel Simon: L'Art de la disgrâce, Paris, Umfang, 2010