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Alexander Kluge
Alexander Kluge
Alexander Kluge (2009)
Vollständiger NameAlexander Ernst Kluge
Geboren14. Februar1932
GeburtslandFlagge von Deutschland Deutschland
(und) IMDb-Profil
Moviemeter-Profil
Portal  Portalsymbol  Film

Alexander Ernst Kluge (Halberstadt, 14. Februar1932) ist ein DeutscheFilm- und Fernsehproduzent, Autor, Drehbuchautor und Anwalt. Er lebt in München und hat zwei Kinder.

Biografie

Kluge wurde geboren in Halberstadt als Arztsohn. Seine Eltern ließen sich 1945 scheiden, danach brachte ihn seine Mutter zu Berlin gezogen. Sein Vater blieb in Halberstadt. Kluge studierte Rechtswissenschaften, Geschichte und Kirchenmusik in Frankfurt und absolvierte ein Praktikum am Frankfurter Institut für Sozialforschung der Theodor W. Adorno, die Wiege der Frankfurter Schule. Er freundete sich persönlich mit Adorno an und Jürgen Habermas. Auf Vermittlung von Adorno absolvierte Kluge ein Praktikum bei Fritz Lang am Set von Der Tiger von Eschnapur.

Literatur

In dem sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts veröffentlichte Kluge eine Reihe von literarischen Texten im Sinne der dokumentarischen Antiliteratur der Zeit. Die Geschichtensammlung Lebensläufe (1962) zeichnet in nüchterner und sehr prägnanter Form eine Reihe von Lebensläufen nach, die trotz der angeblichen Abbruchstelle nach der Zweiter Weltkrieg die Kontinuität von Hitlers Elite um zu zeigen. Die Texte sind im Lichte der EinsatzgruppenProzesse (Verfolgung der Juden durch Paramilitärs an der Ostfront) von 1958 und der Prozess gegen Eichmann von 1961 und weist subtil auf die ideologischen Spannungen innerhalb der Justiz hin. Die Textcollage Schlachtbeschreibung (1964) ist ein Bericht über die Belagerung von Stalingrad, das ausgiebig aus Dokumenten zitiert wird und ein Kontrast zwischen den euphemistischen Formulierungen der offiziellen (zensierten) Dokumente und den Ereignissen entsteht. Sein berühmtester Text ist Der Luftangriff auf Halberstadt am 8. April 1945, ein Bericht über den Luftangriff auf Halberstadt aus mehreren Perspektiven. W. G. Sebald lobt Kluge als einen der wenigen Literaturautoren, denen es gelungen ist, die traumatischen Ereignisse des Luftkriegs angemessen zu artikulieren. Der Stil von Kluges literarischer Produktion in den 1960er und 1970er Jahren ist sehr sachlich.

Film

Kluge war ursprünglich bekannt als Regisseur. Er ist Mitautor der Oberhausener Broschüre (1962) und des Slogans "Papas Kino ist tot". Er gilt als einer der Gründer der of Neuer deutscher Film und die deutschsprachigen Unabhängigen Autorenfilm betrachtet, das deutsche Pendant der of Nouvelle Vague (Gott) in Frankreich. Er hat zusammengearbeitet mit Edgar Reitz, Volker Schlöndorff und Rainer Werner Fassbinder. Er hat gewonnen Goldener Löwe von dem Filmfestspiele von Venedig 1968. Er war Mitbegründer der Hochschule für Filmgestaltung in Ulm (1958-1968), einer Sektion der damals sehr umstrittenen Initiative zur Errichtung einer demokratischen Bildungseinrichtung nach dem Vorbild der Hochschule für Geisteswissenschaften. Er initiiert den Omnibus-Film Deutschland im Herbst die den Zeitgeist in der turbulenten Zeit treffend widerspiegelt Deutscher Herbst Unterlagen. Kluges Filmwerk ist stark essayistisch geprägt.

Fernsehen

Kluge arbeitet seit den 1980er Jahren für das Fernsehen. 1987 gründete Kluge seine eigene Fernsehgesellschaft:[1]. Er erwarb prominente Sendezeit von kommerziellen Sendern, beispielsweise durch das gerichtlich angeordnete System des "Rundfunks für Dritte". RTL und Sat.1. Außerdem sendet er über Nachrichtensender wie Spiegel TV, Stern TV und Fokus-TV, und seit einiger Zeit auch über das Internet. Der Schwerpunkt lag zunächst auf Kultur (Musik, Theater, Oper) und Dokumentarfilmen zur deutschen Geschichte. Allmählich verlagert sich der Fokus auf Interviews mit Wissenschaftlern, Autoren und Philosophen, auf dokumentarische Interviews, experimentelle Parodien auf historische Persönlichkeiten wie Adolf Hitler gespielt von Schauspielern wie Helge Schneider. Kluge verwendet einen skurrilen und konträren Interviewstil, der beeinflusst ist von Bertolt Brecht und Walter Benjamin.

Theoretische Arbeit

Zusammen mit dem SoziologeOskar Negt Alexander Kluge verfasste eine Reihe von theoretischen und philosophischen Studien, die unter dem Titel Der unterschätzte Mensch (2001; ins Englische übersetzt und aktualisiert als Geschichte und Eigensinn im Jahr 2014). Mit ihrer theoretischen Arbeit antworten Negt und Kluge auf die Arbeit von Jürgen Habermas. Sie definieren den Begriff der "Gegen-Publicity" und sehen generell ein kritischeres Potenzial in der Populärkultur. In der dokumentarischen Prosa beispielsweise bedeutet Gegenpublizität einerseits die Entlarvung der sogenannten Authentizität von Aussagen und Dokumenten, die in den Medien der bürgerlichen Öffentlichkeit als wirklich und andererseits wird in dieser dokumentarischen Prosa denjenigen eine Stimme gegeben, die von denselben Medien ignoriert werden.[2] Darüber hinaus ersetzt der Schreibstil der theoretischen Arbeiten von Kluge und Negt (mit vielen Anekdoten und Bildmaterial) die spekulative Geschichtsphilosophie der Marxismus von einer Anthropologie, die sich bewusst irgendwo zwischen Theorie und Empirie positioniert.[3]

Literarische Rückkehr

Im Jahr 2000 feierte Kluge ein literarisches Comeback mit zwei umfangreichen Bänden unter dem Titel Chronik der Gefühle, eine Zusammenstellung bereits veröffentlichter und neuer Kurzgeschichten. Seitdem sind jedes Jahr neue Bände erschienen. Sein Stil wird persönlicher. Gleichzeitig experimentiert er mit Mischungen aus Fakten und Fiktion. Er verwebt aktuelle Ereignisse mit einer Perspektive der Longue durée. Neben Geschichte und Philosophie umfasst das Werk dieser typischen Poeta doctus zunehmend auch eine bunte Mischung aus Naturwissenschaften und Anthropologie und überträgt Erkenntnisse aus Evolutionsbiologie und Neurowissenschaften auf menschliche Emotionen. Der gelehrte Stil ähnelt dem anderer enzyklopädischer Autoren wie z Thomas Pynchon und Paul Verhaeghen, einschließlich der humorvollen Verfremdung und der wissenschaftlichen Satire, aber die Bücher sind immer Sammlungen von Ultrakurzgeschichten im Stil von Heinrich von Kleist und Bertolt Brecht. Kluge erhielt den Büchner-Preis, die höchste Literaturauszeichnung im deutschsprachigen Raum.

Installationen und Multimediaarbeiten

Die Synthese seines filmischen und literarischen Schaffens präsentiert Kluge seit 2013 zunehmend in Ausstellungen in Museen und in der Audiokunst. Es beinhaltet oft die Zusammenarbeit mit Künstlern wie z Anselm Kiefer, Thomas Nachfrage, Anna Viebrock, Georg Baselitz und Khvan de la Cruz. Kluges Werk war auch Teil einer Duo-Ausstellung mit und um James Ensor.

Empfang in Belgien und den Niederlanden

2013 fand eine wissenschaftliche Konferenz zu Kluge (Lesen/Betrachten von Alexander Kluges Werk) Studienplatz an der Universität Lüttich. Es erscheint seit 2014 Alexander Kluge Jahrbuch in Göttingen. Die Filmarbeit von Alexander Kluge und eine Auswahl der Fernseharbeit von Alexander Kluge sind im Rahmen der Filmedition Suhrkamp mit Untertiteln in Englisch, Französisch (und Chinesisch). Alexander Kluges umfangreiches literarisches und theoretisches Werk wurde kürzlich teilweise ins Englische und Französische übersetzt; Übersetzungen ins Niederländische sind rar. Im Jahr 2008 widmete die Zeitschrift Gitter seine Nummer 121 zum Werk von Alexander Kluge und Wolfgang Koeppen.

Preise

Film

  • 1966: Silberner Löwe der Filmfestspiele von Venedig vor dem Abschied von Gestern
  • 1967: 2x Deutscher Filmpreis (Produktion, Regie) für Abschied von Gestern
  • 1968: Goldener Löwe der Filmfestspiele von Venedig für den Film Die Artisten in der Zirkuskuppel: Ratlos
  • 1969: Deutscher Filmpreis vor dem Die Artisten in der Zirkuskuppel: Ratlos
  • 1975: Deutscher Filmpreis für die Musikdramaturgie von In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod

Literatur

Übersetzungen

  • „A Love Experiment“ (Übersetzt von J. F. Vogelaar) / „Massentod in Venedig“ (Übersetzung: Paul Beers), in: Raster 13 (1980), 40-43.
  • „Der Luftangriff auf Halberstadt am 8. April 1945 (Partim-Übersetzung von J. F. Vogelaar),“ in Raster 75 (1996).
  • „Politik braucht am Rande des Rasiermessers das Unmögliche. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2003“, in: Yang 3/2006, 303-316.