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Aribert Reimann
Aribert Reimann (2010)
Aribert Reimann mit der Bestellung Gießen Sie le Merite (2014)

Aribert Reimann (Berlin, 4. März1936) ist ein DeutscheKomponist, Pianist und Musikwissenschaftler, am besten bekannt für seine Opern zu literarisch Themen.

Werdegang

Aribert ist der jüngste Sohn des Kirchenmusiker Wolfgang Reimann (1887-1971) und die Altsänger Irmgard Ruhle (1894-1972). Mit zehn Jahren begann er zu komponieren. Reimann hat studiert Komposition, Kontrapunkt und Klavier zum Gymnasium für Musik in Berlin unter anderem Boris Blacher und Ernst Pepping. Während seines Studiums arbeitete er als Probenlehrer Bei der Städtische Oper. 1957 debütierte er als Pianist und Begleiter.

1958 ging er Musikwissenschaft studieren an der Universität Wien. Anfang der 1970er Jahre wurde er Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Er war Professor von 1974 bis 1983 1983 zeitgenössische Musik zum Hochschule für Musik und Theater Hamburg und von 1983 bis 1990 an der Gymnasium der Künste.

Zu Beginn seiner Karriere komponierte er die BallettmusikStoffreste (1959) und Die Augen des Vogels (1970), für die Günther Grass steuerte die Ideen in Form einer Aktion beiLibretto. 1978 erzielte Reimann mit der OperLernen zu ShakespearesKönig Lear. Die Hauptrolle wurde in der ersten Produktion vom Bariton gesungen Dietrich Fischer-Dieskau, für den er die Oper geschrieben hatte. Er schrieb weitere Opern, darunter Das Schloss (zum gleichnamiger Roman von Franz Kafka), die 1992 im Deutsche Oper Berlin, und Medea (nach dem Spiel von Franz Grillparzer), erstmals 2010 in der in Wiener Staatsoper.

Neben Opern hat Reimann Orchesterwerke, Kammermusik und Lieder zusammengesetzt. Er ist auch aufgetreten als Pianist, unter anderem als Begleiter für Liedsänger. Unter ihnen waren Dietrich Fischer-Dieskau, Julia Varady und Brigitte Fassbaender.

Aribert Reimann hat für sein Lebenswerk viele Auszeichnungen und Ehrungen erhalten, darunter den Bundesverdienstkreuz 1985 und die Ernst von Siemens Musikpreis in 2011.

Musikpreise

1988 rief Aribert Reimann den Busoni-Kompositionspreis ins Leben, benannt nach Ferruccio Busonic. Dieser Preis der Akademie der Künste stimuliert junge Komponisten und seit 1992 auch Kompositionsstudenten.

Auf Initiative von Reimann wurde 2006 die Aribert-Reimann-Stiftung mit dem Ziel gegründet, zeitgenössischen klassischen Gesang zu fördern. Dazu a Stipendium von einem jungen Komponisten, der sein Studium vor nicht mehr als drei Jahren abgeschlossen hat. Der Kompositionsauftrag besteht aus einem neuen Liederzyklus für Singstimme und Klavier, von dem Studierende der Abteilung "Zeitgenössisches Lied" der Universität der Künste Berlin die Uraufführung zu bieten.

Anerkennung

Werkverzeichnis (Auswahl)

Musiktheater

Ballettmusik
  • Stoffreste (1959). Libretto: Günter Grass.
  • Die Augen des Vogels (1970). Libretto: Gunter Grass.
Oper
  • Ein Traumspiel (1964). Libretto: Carla Henius, nach August Strindberg
  • Melusine (1970). Libretto: Claus H. Henneberg, nach Yvan Goll
  • Lernen (1976-1978). Libretto: Claus H. Henneberg, nach William Shakespeare
  • Die Gespenster-Sonate (1983). Libretto: Uwe Schendel & Aribert Reimann, nach August Strindberg
  • treads (1985). Libretto: Gerd Albrecht & Aribert Reimann, nach Euripides
  • Das Schloss (1989-1991). Libretto: Aribert Reimann, nach Franz Kafka (in der Version von Max Brod)
  • Bernarda Albas Haus (1998-2000). Libretto: Aribert Reimann, nach Federico Garcia Lorca
  • Medea (2007-2009/09). Libretto: Aribert Reimann, nach Franz Grillparzer
  • L'unsichtbar (2011-2016). Libretto: Aribert Reimann, nach Maurice Maeterlinck

Vokalmusik

  • marz für Sprechstimme und Bassflöte (1966)
  • Entsorgt für Bariton solo (1989)
  • Glanz und Dunkelheit zu einem Gedicht von James Joyce, für Bariton und Klavier (linke Hand) (1989)
  • Darüber nachdenken für Alt solo (1992)
  • Lady Lazarus für Sopran solo (1992)
  • Nachtstück für Sopran und Klavier (1992)
  • Die Pole sind in uns nach einem Gedicht von Paul Celan, für Bariton und Klavier (1995)
  • Fünf Lieder zu Gedichten von Paul Celan für Countertenor und Klavier (1994-2001)
  • …ni una sombra, Trio für Sopran, Klarinette und Klavier, nach Texten von Friedrich Rückert und Antonio Porchia (2006)
  • Ein Blick wars, der mich ins Verderben riss, Monolog von Stella von Johann Wolfgang von Goethe für Sopran und Klavier (2014)
mit Orchester
  • Ein Totentanz, Suite für Bariton und Kammerorchester (1960)
  • Hölderlin-Fragmente für Sopran und Orchester (1963)
  • Verra la morte, Kantate zu Cesare Pavese für Sopran, Tenor und Bariton, zwei gemischte Chöre und Orchester (1966)
  • Führung für Tenor und Orchester (1967)
  • Albern, Monolog für Sopran und Orchester (1968)
  • Fragmente aus der Oper Melusine (1970)
  • Zyklus zu Texten von Paul Celan für Bariton und Orchester (1971)
  • Linien für Sopran und Streichorchester (1973)
  • Wolkenloses Christfest, Requiem für Barirton, Cello und Orchester (1974)
  • Sechs Gedichte von Sylvia Plath (1975)
  • Fragmente aus "Lear" für Bariton und Orchester (1976-1978)
  • Chacun in Chimäre, Poème Visual von Charles Baudelaire für Tenor und Orchester (1981)
  • Drei Lieder zu Gedichten von Edgar Allan Poe für Sopran und Orchester (1980-1982)
  • Requiem für Sopran, Mezzosopran, Bariton, gemischten Chor und Orchester (1982)
  • endlich unendlich zu Gedichten von Emily Dickinson für Sopran und Orchester (1994-1995)
  • Kumi Oric für Bariton und Orchester (1999)
  • Tarde für Sopran und Orchester (2003)
Mit Kammerensemble
  • trovers nach altfranzösischen Texten für Sprechstimme und Ensemble (1967)
  • Unenthüllt für Bariton und Streichquartett (1981)
  • Gedicht von Maria Stuart von Robert Schumann, op. 135, Bearbeitung für Mezzosopran und Kammerensemble (1988)
  • … oder soll es Tod bedeut?, acht Lieder von Felix Mendelssohn Bartholdy zu Gedichten von Heinrich Heine (1996), arrangiert und verbunden mit sechs Zwischenspielen, für Sopran und Streichquartett (1996)
  • Drei Gedichte des Sappho, in der deutschen Version von Walter Jens (2000)

Orchesterwerke

  • Symphonie zur Oper Ein Traumspiel (1964)
  • Runden für Streichorchester (1967)
  • loqui (1969)
  • Konzert für Klavier und 19 Spieler (1972)
  • Variationen (1975)
  • Sieben Fragmente für Orchester in Memoriam Robert Schumann (1988)
  • Neun Stucke (1993)
  • Konzert für Violine und Orchester (1995-1996)
  • SPIRALAT HALOM, Traumspiralen (2002)
  • Nahe Ferne, zu Beethoven Klavierstück B-Dur (2002-2003)
  • Zeit-Inseln (2004)
  • cantus für Klarinette und Orchester (2006)

Kammermusik

  • Reflexionen für sieben Instrumente (1966)
  • Metamorphosen etwa ein Menuett von Franz Schubert für zehn Instrumente (1997)
  • Fanfarrias für fünfzehn Bläser (2004)

Klavier solo

  • Erste Sonate (1958)
  • Spectren (1967)
  • Variationen für Klavier (1979)
  • Auf dem Weg (1989-1993)

Literatur

  • Luigi Bellingardi, Alcune gunssioni sulla »Gespenstersonata« von Aribert Reimann, in: Sabine Ehrmann-Herfort/Markus Engelhardt (Hrsg.), »Vanitatis-Fuge, Aeternitatis amor«. Wolfgang Witzenmann zum 65. Geburtstag, »Analecta Musicologica«, Bd. 36, Laaber (Laaber) 2005, S. 689–695.
  • siglind bruhn, Aribert Reimanns Vokalmusik, Waldkirch (Ausgabe Gorz) 2016, ISBN 978-3-938095-21-8 .
  • Wolfgang Burde, Aribert Reimann, Mainz (Schott) 2005.
  • Albert Gier, Zuruck zu Shakespeare! Claus H. Hennebergs Lear-Libretto für Aribert Reimann und seine englische Ubersetzung von Desmond Clayton, in: Herbert Schneider/Rainer Schmusch (Hrsg.), Librettoübersetzung: Interkulturalität im europäischen Musiktheater, Hildesheimn (Olms) 2009, »Musikwissenschaftliche Publikationen«, Bd. 32), pp. 329–349.
  • Kii Ming Lo, Unansehnlicher Herrscher über ein gehorsames Volk. Aribert Reimanns Oper »Das Schloß« nach Franz Kafka, in: Peter Csobádi, Gernot Gruber, Ulrich Müller ua (Hrsg.), »Weine, weine, du armes Volk!« ─ Dasverführte und betrogene Volk auf der Bühne, »Kongreßbericht Salzburg 1994«, Anif/Salzburg (Müller-Speiser) 1995, S. 663–674.
  • Jürgen Mähder, Aribert Reimanns »Nachtstück« ─ Studien zu musikalischer Struktur und Sprachvertonung, im: Aurora (»Jahrbuch der Eichendorff-Gesellschaft«) 36/1976, S. 107-121.
  • Jürgen Mähder, Aribert Reimanns »Lear« ─ Anmerkungen zu einigen Strukturproblemen der Literaturoper, Programmheft zur Uraufführung an der Bayerischen Staatsoper München, München (Bayerische Staatsoper) 1978, S. 61-73.
  • Jürgen Mähder, Anmerkungen zu einigen Strukturproblemen der Literaturoper, in: Klaus Schultz (Hrsg.), Aribert Reimanns »Lear«. Weiter so Oper, München (dtv) 1984, S. 79-89.
  • Jürgen Mähder, Aribert Reimann und Paul Celan: Die Vertonung hermetischer Poesie im zeitgenössischen deutschen Lied, in: Claus Reschke/Howard Pollack (Hrsg.), Deutsche Literatur und Musik. Eine ästhetische Fusion: 1890─1989, »Houston German Studies«, Bd. 8, München (Fink) 1992, S. 263-292.
  • Jürgen Mähder, Étude sur le théâtre musical d'Aribert Reimann ─ de »Lear« à »La sonata des spectres«, program de salle pour l'Opéra National du Rhin, Straßburg (TNOR) 1998, S. 27–45.
  • Jürgen Mähder, Untersuchungen zum Musiktheater Aribert Reimanns. Musikdramaturgie in »Lear« und »Die Gespenstersonata«, in: Jürgen Kühnel/Ulrich Müller/Oswald Panagl (Hrsg.), Musiktheater der Gegenwart. Text und Komposition, Rezeption und Kanonbildung, Anif/Salzburg (Müller-Speiser) 2008, S. 342–373.
  • Jürgen Mähder, Aribert Reimann und Paul Celan. La mise en musique de la poésie hermétique dans le song allenand contemporain, in: Antoine Bonnet/ Frédéric Marteau (Hrsg.), Paul Celan, die Poesie, die Musik. »Avec une clé changeante«, Paris (Hermann) 2015, S. 351–372.
  • Klaus Schultz (Hrsg.), Aribert Reimanns »Lear«. Weiter so Oper, München (dtv) 1984.
  • Ulrich Tadday (Hrsg.), Aribert Reimann, »Musik-Konzepte«, Bd. 139, München (Textkritik) 2008, ISBN 978-3-88377-917-1 .
  • Anselm Weyer, Günter Grass und die Musik (= »Kölner Studien zur Literaturwissenschaft«, Bd. 16), Frankfurt am Main etc. (Peter Lang) 2007, ISBN 978-3-631-55593-4 (Universität Köln, Dissertation 2005).
  • Sigrid Wiesmann (Hrsg.), Für und Wider die Literaturoper, »Thurnauer Schriften zum Musiktheater«, Bd. 6, Laaber (Laaber) 1982.

Externe Links

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