WikiDer > Hohe Messe
Das Messe in h-Moll von Johann Sebastian Bach, besser bekannt unter seinem Fantasy-Namen aus dem 19. Jahrhundert Hohe Messe (BWV 232) ist die Bezeichnung für eine Sammlung polyphoner Töne der festen Teile der römisch-katholischen Kirche falsch (Ordo Missae), die sogenannte gewöhnliche.Diese besteht traditionell aus den Teilen Kyrie, Gloria, Glaubensbekenntnis, Sanctus und Agnus Deic die über eine Masse verteilt sind. Bachs einzige Vertonung des 'klassischen' (also ganzen) Ordinariums gehört streng musikalisch zur Gattung der Missa Solemnis oder 'Feierliche Messe'.
Die für liturgische Zwecke gedachte mehrsätzige Komposition scheint auf Bachs Vertonung eines Kyrie und Gloria zu basieren, die er 1733 hatte dem angeboten neuer Kurfürst von Sachsen (auch König von Polen) mit dem er versuchte, eine wichtige Stellung am kurfürstlich-sächsischen (und königlich-polnischen) Hof zu erringen. In den Jahren 1748-1749 fügte Bach Töne des Credo (oder 'Symbolum Niceanum'), Sanctus (und Benedictus) und des Agnus Dei hinzu. Dabei griff er weitgehend auf bereits komponierte Werke zurück; Bach bearbeitete Teile weltlicher, vor allem aber geistlicher Kantaten, die für die lutherisch-evangelischen Gottesdienste an seinem Wohn- und Arbeitsplatz in Leipzig bestimmt waren.
Von Bach sind vier weitere Messen von Bach (BWV 233-236) überliefert, die Töne der Sätze Kyrie und Gloria ('Missa Brevis' oder kurze Messe) des Ordinariums sind. Bis heute ist nicht klar, ob diese für kirchliche Zeremonien im lutherisch-evangelischen Kontext oder für römisch-katholische Liturgiefeiern gedacht waren. In der lutherisch-evangelischen Glaubenstradition wurde zwar das Modell der klassischen lateinischen Messe beibehalten, wenn auch unter anderen theologischen Bedingungen und mit unterschiedlichen Zielen bei Hauptgottesdienstfeiern.
Der Titel „Hohe Messe“ für Bachs große Messe stammt aus dem Jahr 1830. Er wurde von dem Berliner Musiker Adolf Bernhard Marx für eine – erste – Edition der Chorstimmen der Messekomposition konzipiert. Seitdem hat sich diese (nicht-originale) Bezeichnung erhalten, obwohl die historisch korrekte Bezeichnung „Missa in h-moll“ immer mehr an Bedeutung gewinnt.
Grund
Warum Bach seine „kurze“ h-Moll-Messe von 1733 am Ende seines Lebens zu einer vollständigen Messkomposition ausbaute, ist noch unbekannt. Es besteht weltweiter Konsens unter Bachforschern, dass Bach im Allgemeinen und im Besonderen nie „einfach“ mit dem Komponieren begonnen hat. Aber das macht das Geheimnis der Missa in h-moll nur noch größer. Schließlich gibt es keine Dokumente von Bach selbst oder relevante Daten aus seinem letzten Lebensabschnitt, die dies belegen.
Stauffer und Van der Hilst (siehe Quellenverzeichnis) gehen davon aus, dass Bachs große Messe für den kursächsischen Hof in Dresden war beabsichtigt. Immerhin trug Bach ab 1736 das Prädikat "Königlich Polnisch und Kurfürstliches Sachsen". Hofkomponist aufgrund seines 'Antrags' dafür von 1733 mittels eines Kyrie- und Gloria-Tons. Es wäre dann ein einmaliges „Feierstück“, das für die Einweihung der neuen römisch-katholischen Hofkirche dort bestimmt war, auch wegen des großen Zeitaufwands für die Ausführung des komponierten Ordinarius. 1751 ein Jahr nach Bachs Tod stattfinden würde.
Im Juli 2008 der niederländische Dirigent und Barockspezialist Ton Koopman ein merkwürdiger Verdacht in den Nachrichten eines im Bach-Archiv Leipzig tätigen Musikwissenschaftlers Dr. Michael Maul (siehe Quellenliste: Tomita). Bei einer Untersuchung entdeckte er, dass Bach im Jahr 1749 korrespondierte mit dem böhmisch-österreichischen Grafen Johann Adam von Questenberg, der am kaiserlichen Hof in . eine private Vereinigung musikliebender Hochadliger bildete Wien gehörte, die Musikalische Gemeinde. Jedes Jahr weiter 22. November - der römisch-katholische Festtag des Heiligen Cäcilia, Patronin der Musiker - dieser Verein hielt eine große feierliche Messe in der Kirche St. Michael im Wien, die 'Berufskirche' der Musiker in der österreichischen Hauptstadt, von 1747 jedoch in der Stephansdom dort. Nach Mauls Hypothese hätte Bach im Auftrag des römisch-katholischen Grafen seinen Ton aus allen Ordinary-Sätzen komponiert. Maul untersucht die Angelegenheit nun ausführlich in Bibliotheken und Archiven in Wien und an anderen wichtigen Orten in der Vergangenheit Habsburger Reich.
Die jährliche St. Caecilia-Messe in Wien war eine langjährige kirchliche Zeremonie, in der die Erzbischof von Wien mit seinen Priestern und Diakonen. Das Schola Cantorum der Kathedrale sang die (einteiligen) gregorianischen Gesänge der Proprium des Ordo Missae, die sogenannten zeitgebundenen Gesänge, die in diesem Fall speziell für das Fest der Hl. Caecilia bestimmt sind und nach ihrer liturgischen Funktion benannt sind, sind dies: Introitus, Schrittweise, Alleluja, Offertorium und Gemeinschaft. Chor, Solisten und Orchester (die kaiserliche Hofkapelle) führten abwechselnd die polyphonen Vertonungen des Ordinariums auf.
Weltpremiere?
Nach obiger Hypothese hätte Bachs große Messe – „Missa Solemnis“ als Titel der gesamten Komposition ist daher passender als der Fantasietitel „Hohe Messe“ aus dem 19. Stephansdom in Wien. . Dies wäre ein paar Tage nach einem jungen Chorsänger passiert, ene Franz-Joseph Haydn, aus dem Kirchenchor des Wiener Doms ausgeschlossen worden war.
Wenn sich die Missa h-Moll tatsächlich als Erfüllung eines Wiener Kompositionsauftrags belegen lässt, ist dies sicherlich auf Bachs zunehmende europaweite Bekanntheit zurückzuführen. Der Durchbruch dabei war sein Besuch und Auftritte für König Friedrich der Große von Preußen im Mai 1747. Rückblickend war dieser Besuch bei dem mächtigen preußischen Monarchen der einzige Moment in Bachs Leben, in dem er in nationalen und ausländischen Zeitungen als „Weltruhm“ beworben wurde.
Dies könnte, wiederum der obigen Hypothese folgend, die Aufmerksamkeit Bachs auf den musikliebenden Grafen von Questenberg gelenkt haben, eine alte Beziehung, die Bach bei einem von zwei (oder beiden) Besuchen, die er in einer früheren beruflichen Phase gemacht hatte, kennengelernt hatte als Hofkapellmeister im Gefolge des Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen, in den damals bei Adeligen sehr beliebten böhmischen Kurort gebracht hatte Karlsbad.
Pragmatisch
Bach - sich seiner eigenen Fähigkeiten und Begabung bewusst und mit pragmatischer Haltung - komponierte die Teile für seine komplexe große Missa in h-Moll nur teilweise neu. In Anlehnung an den 'älteren' Ton des Kyrie und Gloria ('Missa Brevis'), das er 1733 dem neuen (katholischen) Kurfürsten von Sachsen - verheiratet mit einer Prinzessin aus dem Haus Habsburg - er fügte den anderen Ordinariussätzen (Credo, Sanctus und Agnus Dei) tonale Vertonungen hinzu, die sich in den meisten Fällen als Bearbeitungen und Überarbeitungen älterer Kompositionen erweisen, Teile von Kantaten (religiöse und weltliche, auf deutsche Texte), a 'freilassen' Sanctus raus 1724 (ursprünglich für die festliche lutherisch-evangelische Weihnachtsfeier in Leipzig) und eine ebenso ‚lockere‘ Polyphonie Intonation des Symbolum Nicenum oder Credo.
Die Idee, den Ton des kompletten römisch-katholischen Ordinariums zu bestimmen, muss von Bach viel früher gespielt worden sein. Zum Beispiel gibt es einen Ton des Intonation des Symbolum Nicaenum, das in der Tonart g-mixolydisch ist denkmalgeschützt und stammt vermutlich aus der Zeit um 1740. Bach „bearbeitete“ dieses Musikstück wahrscheinlich 1748 als Eröffnung der Credo-Vertonung seiner großen Messe, in der er das Werk komponierte – für vier Solostimmen? - transponiert in die Tonart eines Mixolydischen.
In den vier verlangt In der erhaltenen Handschrift der Messe, die erst viel später zu einer Art Buch zusammengestellt wurde, findet sich kein Titel für das gesamte Werk. Nach dem Tod seines Sohnes Carl Philipp Emanuel Bach im 1788, der die kompositorische Handschrift einsetzte 1750 erbte es nach dem Tod seines Vaters, es wurde zu Verkaufszwecken katalogisiert mit „Die große katholische Messe“.Später wurde der Name auch Messe in h-Moll (auf Deutsch Messe in h-Moll) ist üblich, aber tatsächlich ist diese Bezeichnung nicht korrekt, denn obwohl sich dies auf die Tonart des ersten Kyrie bezieht, sind fast alle Teile der Komposition in anderen Tonarten.
Bach hat mit ziemlicher Sicherheit nie die erste vollständige Aufführung seiner großen Messe irgendwo gehört, geschweige denn dirigiert. Fast hundert Jahre nach seinem Tod stand es dank der Publikation im Schweizer Nägeli-Verlag erstmals vollständig für Aufführungen zur Verfügung: in 1833 das Kyrie und Gloria und in 1845 die anderen Teile.Seitdem ist diese monumentale Messe aus dem klassischen Chorrepertoire nicht mehr wegzudenken.
Handschrift Missa in h-moll
Erst vor kurzem wurde die Handschrift der Missa in h-moll, die in der Staatsbibliothek zu Berlin unter der Katalognummer P180 aufbewahrt wird, erstmals einer akribischen wissenschaftlichen Untersuchung unterzogen: einer „Röntgenfluoreszenzanalyse“. Dabei zeigte sich, dass die Handschrift vor allem ab dem Credo Hunderte von meist kleinen Noten und Änderungen von anderer Hand enthält, darunter Tempoangaben und Textplatzierungen, die Bachs zweitjüngster Sohn verwendet hatte. Johann Christoph Friedrich Bach scheinen im Manuskript eingraviert zu sein. Vermutlich geschah dies, weil Bach selbst, gehindert durch fortschreitende Altersdiabetes, einen Kraftverlust ab Frühjahr 1749, dies in der Endphase des Kompositionsvorhabens nicht mehr konnte. Da dieser Bach-Sohn, der in den letzten Jahren seinem Vater häufig bei seiner Arbeit behilflich war, im Dezember 1749 im Alter von 17 Jahren das Elternhaus endgültig verließ, um anderswo als Hofmusiker tätig zu werden, bedeutet dies, dass das Kompositionsprojekt Missa in h-moll muss – im Wesentlichen – bis spätestens Ende des Jahres abgeschlossen sein.
Andere Notizen im Kompositionsmanuskript scheinen von gemacht worden zu sein Carl Philipp Emanuel Bach Bachs zweiter Sohn aus erster Ehe, der 1750 unter anderem dieses Original-Musikmanuskript erbte. 1786, zwei Jahre vor seinem Tod, dirigierte er das Credo der Messe in Hamburg bei einem Benefizkonzert, um die Partitur der Komposition kritisch zu prüfen. Unter anderem verbesserte er die Platzierung des lateinischen Textes mit den Noten – mit glücklicher Hand – nach eigenen Erkenntnissen.
Die Tatsache, dass im Ton des Credo, Sanctus und Agnus Dei de Basso-Continuo-Stimme - das in jeder Komposition Bachs als tragendes" harmonisches Fundament fungiert - keine Ziffern hat (für Akkordsätze) und dass die Instrumentierung in den Stimmen Benedict und Agnus Dei (beide sind Solo-Arien) nicht einmal angegeben ist, ist mit ziemlicher Sicherheit seine Ursache für den zunehmenden Kräfteverfall bei Bach, der Anfang 1749 einsetzte - mit fortschreitender Augenschwäche bis hin zur Erblindung - und der Mitte Mai 1750 zum totalen Zusammenbruch führte: Folge einer zweiten, erfolglosen Augenoperation.
Fräulein
Die Messe folgt den fünf Messen der gewöhnliche:
- Kyrie
- Gloria
- Symbolum Nicänum (= Glaubensbekenntnis)
- Sanctus (mit Osanna, Benedikt und wieder Osanna)
- Agnus Deic (mit dem Ton der Schlussphrase nach der zweiten Wiederholung des Agnus Dei Dona nobis pacem)
Alle diese Sätze bestehen aus getrennten Chorstimmen und Arien.
Besetzung
Die Messe wurde für fünf Solisten geschrieben (Sopran I/II, alt, Tenor, Bass) und fünf bis acht Stimmen Chor die auch in Doppelchorbesetzung auftritt und ein reiches Orchester hat: zwei pfeifen, zwei Oboe's (beide verdoppeln sich auf Oboe d'amore; eine dritte Oboe ist nur im Sanctus vorgeschrieben), zwei Fagotte (zwei Stimmen nur in der Arie Quoniam tu solus sanctus, mit Hornsolo), a Horn (Corno da caccia; nur in der Arie Quoniam tu solus sanctus), drei Trompeten, Timpani, Geigen Ich und II, Bratschen und Basso continuo (Cello, Kontrabass und Organ und/oder Cembalo).
Spielstände
- J.S.Bach - Missa in h-moll: Partitur im Großformat (Hrsg.: Christoph Wolff). Ausgabe: Edition Peters, 1996 (Katalognummer 8735): Urtextausgabe.
- J.S.Bach - Missa in h-moll: Faksimile-Ausgabe (Hrsg.: Bach-Archiv Leipzig). Ausgabe: Bärenreiter, Kassel, 2007. ISBN 978-3-7618-1911-1
- J.S.Bach - Messe h-moll BWV 232: Partitur (Hrsg.: Joshua Rifkin; Wiesbaden, 2006)
- J.S.Bach - Missa in h-moll BWV 232: Partitur mit gebundener kritischer Begründung (Hrsg.: Uwe Wolf; Neue Bach-Ausgabe Reihe 'revidierte Ausgaben').
Zwei Performance-Versionen
Für die Aufführung von Bachs Missa in h-Moll gibt es daher zwei Möglichkeiten:
- die Version von 1733 (oder Missa brevis-Version: nur mit Tönen des Kyrie und Gloria) und
- die Version von 1749 (oder Missa tota-Version: mit Tönen des gesamten römisch-katholischen Ordinarius).
Externe Links
- Helmuth Rilling Messe in h-Moll (Blitz)
- Hohe Messe auf IMSLP
Quellen, Anmerkungen und/oder Verweise
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